Drei Stunden habe ich ganz gut geschlafen. Es ist Sonntag, sieben Uhr.

Ich rapple mich auf und treffe im Salon auf einen ziemlich müden Käpt`n. "Guten Morgen!" In der Nacht ist der Wind eingeschlafen, der Backbordmotor brummt vor sich hin. Langsam hebt sich ein Lüfterl aus Ost, wäre ideal für den Spinnaker. Lois braucht aber vorher noch dringend ein Nickerchen. Er startet den Steuerbordmotor und lässt gleich auch unseren Watermaker noch einige Zeit arbeiten. Die Genua ist gesetzt, wir sind mit sechs Knoten Anker auf bei Sonnenaufgangunterwegs Richtung Balearen.
Gestern sind wir bei Sonnenaufgang von der kleinen Insel Sant` Antioco(38°57,5N 008°25,1E) im Südwesten von Sardinien aufgebrochen. Zweihundert Meilen liegen bis Menorca vor uns. Gerne möchten wir heute noch bei Tageslicht unseren Ankerplatz erreichen. Laut Wettervorhersage soll der kräftige Nordwestwind, vor dem wir uns die letzten drei Tage versteckt haben, auf Nordost bis Ost drehen. Er lässt sich damit länger Zeit als erwartet, hat aber zum Glück auf fünfzehn Knoten abgenommen und beschert uns für Samstag einen gemütlichen Segeltag. Unser Kurs ist zwar etwas zu südlich, dafür sind wir aber mit zusätzlich einem Knoten Strömung recht flott unterwegs. Das echt österreichische Kartoffelgulasch mit Frankfurtern schmeckt zu Mittag ausgezeichnet. Auf hoher See ist es doch wichtig, dass der Magen nicht zu knurren anfängt. Lois hat natürlich auch die Angelschnur ausgeworfen, außer etwas Seegras haben wir aber schon länger nichts mehr gefangen. Wir teilen für die kommende Nachtfahrt die Wachen ein. Ich möchte von 22h00 bis 01h00 schlafen und dann bis 04h00 am Steuer sein. Lois soll sich vorher noch ausruhen.

Ein langgezogenes "Drrr..." lässt uns aufhorchen. Fisch!!! Das muss ein gewaltiger Brocken sein. Lois nimmt den Wind aus der Genua, um unsere Fahrt zu verlangsamen und kurbelt. Der Fang hält ganz schön dagegen. Ich hechte nach unten und holeEin Biss! ...langsam kurbeln das Netz, den großen Haken, Kübel und "Totschläger". Alles ist bereit, plötzlich ist ER weg. "Wirklich?" "Ja sicher!" Die Enttäuschung ist groß. Lois untersucht den Köder. Der Fisch hat gut gebissen, aber der Angelhaken war zu schwach. Die Spitzen sind einfach aufgebogen. Na bravo! Ohne zu große Hoffnung versucht derausnehmen und zerlegen Fischer mit stärkeren Haken noch mal sein Glück. Ob wir eine zweite Chance bekommen? Doch schon bald folgt ein neuerliches "Drrr..." Sehr behutsam beginnt Lois zu kurbeln. "So groß ist der wahrscheinlich nicht." Das Zubehör habe ich zur Sicherheit gleich im Cockpit liegen lassen. Als der Fisch in Sicht kommt, stelle ich fest, der passt sicher nicht auf einmal in die Pfanne. Gekonnt wird er mit dem großen Haken an Bord gezogen und mit einem gezielten Schlag außer Gefecht gesetzt. Aus Angst, er könnte doch noch über Bord gehen, will Lois seinen Fang gleich im Cockpit in Sicherheit bringen. Er zappelt aber immer noch und sorgt für eine riesen Wirtschaft, danke!
Drei Stunden sind wir voll beschäftigt, den Thunfisch auszunehmen, zu zerlegen, zu häuten und einzukochen. Ein schönes Stück hebe ich natürlich gleich für den Sonntagsbraten auf. Wir arbeiten, bis die Sonne feuerrot am Horizont verschwindet. Es bleibt daher nur noch eine knappe Stunde für die Ruhepause vom Käpt`n, bevor er um 22h00 seine Wache antritt.

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