...bei 35 Grad im Schatten. Das ist gewöhnungsbedürftig, wo sich doch vor unserer Abreise aus Österreich schon der Winter angekündigt hat.
Am Mittwoch Abend kommen wir nach einem langen, angenehmen Flug mit Etihad Airways über Düsseldorf - Abu Dhabi - Kuala Lumpur in Langkawi an. Der Transfer vom Flughafen mit dem Fährboot auf die kleine Insel Rebak klappt wunderbar. In der Marina liegt, wie per e-mail ausgemacht, eine Leiter neben Felix. Schon seit neun Monaten steht unser Boot hier an Land.
Mit flauem Gefühl klettern wir nach oben ins Cockpit und öffnen die Salontür. Es riecht leicht muffig, kein Wunder, aber nicht schlimm. Lois sorgt für Strom an Bord, damit uns ein Licht aufgeht. Wie erwartet hat sich ein Großteil der Wand- und Deckenverkleidung in der Zwischenzeit gelöst. Holzleisten verhindern größeres Übel im Salon und in den Gängen, aber die Gästekabine im Steuerbordbug ist derzeit unbewohnbar. Take it easy! Wir sind hundemüde und gehen möglichst schnell ins Bett. Nach Müsli, Tee und Kaffee am nächsten Morgen bin auch ich wieder zuversichtlicher. Schweiß fließt in Strömen während wir die mitgebrachten Schätze verstauen und uns einen Überblick an Bord verschaffen. Geckos haben sich auf Felix eingenistet und im Cockpit ihre Sch...-Spuren hinterlassen. Kübel und Putzfetzen werden meine ständigen Begleiter.

Eine ganze Woche sind wir nicht von unserer kleinen Insel runtergekommen. Wir arbeiten fleißig am Boot von früh bis spät. Lois poliert die Rümpfe und repariert eine Schramme am Steuerbordkiel, die von einer Berührung mit einem Korallenkopf in Indonesien stammt. Ich bearbeite das alte Antifouling mit Wasserschleifpapier. Volle zweieinhalb Tage brauche ich dazu. Der harte Kalkansatz an Kielen und Rudern lässt sich nur mit der Schleifmaschine entfernen. An den blanken Stellen tragen wir einen Primer auf. Bis Samstag Abend sind wir so weit, dass Felix glänzt wie schon lange nicht mehr, das Unterschiff vorbereitet ist für den neuen Antifouling-Anstrich und wir ziemlich geschafft sind. Auch die Tapezierung samt Kleber, die wir in Deutschland bestellt und gleich nach Langkawi liefern haben lassen, ist angekommen. Der Aufdruck -vor Frost schützen- wirkt bei der Hitze hier ziemlich absurd.
Heute am Sonntag ist Faulenzen angesagt. Wir frühstücken lange, vergessen auch nicht das 9. Türchen am Schoko-Adventkalender zu öffnen, verstauen ihn schnell wieder im Kühlschrank und machen uns auf zum Swimming Pool im Rebak Island Resort. Es sind dorthin nur 10 Minuten Fußmarsch, doch liegen Welten dazwischen. Nach ein paar Längen im von Palmen und Frangipani gesäumten Becken lassen wir uns auf einen Liegestuhl fallen und erheben uns nur zum Mittagessen oder einer neuerlichen Abkühlung im glasklaren Nass. Einen schönen Sandstrand gäbe es auch noch, aber der muss warten. Das nenne ich einen relaxten 2. Advent - ein Tag im noblen Resort mit dem eigenen Heim gleich nebenan.
... und morgen schlüpfen wir wieder ins Arbeitsgewand und schwitzen weiter...

Wir können mit uns zufrieden sein. Am Montag sind wir nach Kuah auf Langkawi gefahren und haben uns bei Multiquip und in einem anderen, gut sortierten Werkzeugladen mit Material eingedeckt. Außenrum schaut Felix schon sehr elegant aus mit seinem neuen, blauschwarzen Antifouling-Anstrich. Der Speedometer ist eingebaut und die Motoren haben den Testlauf positiv absolviert. Also habe ich für kommenden Dienstag den Kran bestellt.

Zwei bis drei Tage werden wir danach in der Marina am Steg bleiben, um auch die Kabinen noch ansehnlich zu machen. Ich habe nämlich kurzerhand die alte Verkleidung runtergerissen, wo sie nicht mehr zu retten war. Heilfroh bin ich, dass ich diese Dreckarbeit hinter mir habe. Lois muss sich nun wohl oder übel daran machen, die neue Verkleidung zu verkleben. Er schneidet schmälere Bahnen, weil der Kleber bei über 30° zu schnell aushärtet. Das erleichtert die Arbeit eindeutig und die Stöße sind kaum zu sehen. Ausnahmsweise opfert er für diese ehrenvolle Aufgabe sogar den Sonntag.
Ich backe in der Zwischenzeit Kekse und Brot, erledige die Wäsche und ziehe mich dann zurück zu einem erfrischenden Sprung in den Pool.


She floats! Seit 2 Tagen hat Felix wieder nasse Rümpfe. Wir liegen am
Steg in der Marina, räumen das Werkzeug und den Putzfetzen weg, backen
Kekse und fahren nach Kuah zum Ausklarieren von Malaysien. Fertig!
Heute machen wir die Leinen los nach 10 Monaten Pause - mit Kurs Phuket,
Chalong Bay, wo wir die Feiertage mit Thomas, Sonja und Keanu verbringen
werden.

Wir feiern eine rauschende und spannende Silvesternacht auf Felix. Mit Thomas, Sonja und Keanu stoßen wir an auf ein Glückliches 2013! In der beliebten Bucht von Nai Harn auf Phuket wird das Neue Jahr begrüßt mit wunderschönen Leuchtraketen in allen Farben. Außerdem steigen Massen brennender Lampions stundenlang am Strand auf, werden vom starken Wind verwirbelt, stürzen ins Meer oder treiben links und rechts an den Masten der Ankerlieger vorbei. Recht hübsch anzusehen sind diese Glücksbringer, wir stellen zur Sicherheit aber zwei Kübel Wasser bereit. Sollte einer wirklich auf Felix hängenbleiben, wäre nämlich schnell Schluss mit lustig.

Unter den Blicken von Big Buddha, der 45 m hohen Statue oben am Berg, paddle ich eine halbe Stunde von unserem Ankerplatz durch die riesige Chalong Bucht zum Yachtclub und ziehe mein Kajak an Land. Lois kommt etwas später mit unserem neuen Dinghi nach. Den guten alten GRAND haben wir eingetauscht gegen ein 3,10 m Beiboot mit richtig dicken Schläuchen und einem 18 PS Motor. Zu verlockend war das Angebot beim Dinghi-Hans in Chalong und allzu oft haben wir uns bisher bei welligen Überfahrten einen nassen Hintern geholt. Komfortabel können wir jetzt auch Keanu mit seinen Eltern an Bord von Felix bringen - als verantwortungsbewusste Großeltern ein weiterer guter Grund für diese Investition. Unseren GRAND stellen wir ins Internet auf bahtsold.com. Der Australier Scott sucht ein günstiges, nicht zu großes Schlauchboot und so verkaufen wir ihn schon am nächsten Tag an den ersten und einzigen Anrufer.

Tag um Tag plätschert dahin. Ein Monat in Thailand vergeht wie im Flug ausgefüllt mit Hausarbeit, Besorgungen und Reparaturen für Pakia tea und gemütlichem Familienleben mit unseren Kindern. Vergangene Nacht haben wir in der sechs Meilen entfernten Bucht von Nai Harn verbracht, um unseren Wassermacher einschalten zu können. Möglich wäre das auch in der Chalong Bay, das schmutzige Wasser würde aber die Vorfilter verdrecken.

Leises Gemurmel in einer fremden Sprache zieht durch die offene Krankenstation im Langkawi Hospital. Große Deckenventilatoren bewegen die rosaroten Vorhänge, die rund um jedes Bett etwas Privatsphäre schaffen. Ärzte und Schwestern sind freundlich und sprechen gut Englisch. Der Blick aus dem immer offenen Fenster zeigt Königspalmen vor den blauen Dächern der Krankenhausanlage. Seit zwei Tagen bin ich hier.

Danke an alle, die mir gute Besserung gewünscht haben!
Gerade habe ich frischgebackenes Brot aus dem Backrohr geholt, ein sicheres Zeichen, dass es mir wieder besser geht. Lange genug bin ich untätig rumgesessen, jede Anstrengung war zu viel für meinen angeschlagenen Kreislauf.
Gestern habe ich mich im Bangkok Hospital in Phuket noch einmal untersuchen lassen. In diesem Privatkrankenhaus wird man empfangen und behandelt wie im 5-Sterne Hotel. Ich erzähle einem freundlichen Arzt meine Geschichte. "Ich möchte bitte wissen, was ich habe." Tja, wenn ich will, kann er mich auf sämtliche Viruserkrankungen testen, meint er. Es wird voraussichtlich aber zu diesem Zeitpunkt das Ergebnis überall negativ sein. Das Fieber ist schon zu lange vorbei. Er nimmt mir nochmals Blut ab, untersucht auch meine Harnwerte und kann mich beruhigen: Alle Werte sind wieder im Normbereich, die Infektion ist abgeklungen.
Fast augenblicklich fühle ich mich wieder besser. Ich werde mir keine unnötigen Sorgen mehr machen und schauen, dass ich wieder zu Kräften komme. Das wäre doch gelacht - Unkraut vergeht nicht!

Noch einmal verbringen wir ein gemütliches Wochenende auf der Insel Raya Yai mit Keanu, Thomas und Sonja. Zwei Stunden etwa segeln wir von der ziemlich schmutzigen und überfüllten Chalong Bay in eine Traumbucht mit weißem Sandstrand, die sich untertags allerdings schnell mit Ausflugs- und Tauchbooten füllt. Uns ist das egal. Wir liegen an einer Boje relativ weit weg vom Trubel und genießen das Leben an Bord. Kaffee und Kuchen, eine Runde schwimmen ums Boot, ein Fläschchen Wein am Abend und wieder viele Gespräche rund um die Baustelle "Pakia tea". So viel gibt es noch zu erledigen und zu entscheiden. Tom und Sonja sind nur noch eine Woche in Thailand. Bis sie im Spätsommer wieder von Österreich zurückkommen, werden die einheimischen Arbeiter fleißig alleine weiterwerken, wobei möglichst keine Fehler passieren sollen. Mit leichtem Bauchweh werden die beiden nächsten Dienstag ins Flugzeug steigen.

Kling, kling! Der Wecker läutet um 05h50. Anker auf im Morgengrauen. Es war ausnahmsweise eine ruhige Nacht ohne Schwell auf Koh Rok. 43 Meilen bis zur Butang-Gruppe liegen vor uns. Kurs SSE 155° - Wind aus NE bis E mit 10 Knoten - Groß und Genua sind gesetzt. Wir segeln mit 5 Knoten gemächlich dahin. Gefrühstückt haben wir auf See. Ich setze frisches Joghurt an und wasche das Geschirr ab. Ein Vormittagskaffe wäre fein. Mal sehen, ob ich meinen Kapitän dazu überreden kann?

Das "Sizzling chicken" im Marinarestaurant schmeckt wie immer wunderbar, danach ein Espresso auf der Felix-Terrasse und zur Erfrischung ein paar Längen im Pool. Das klingt fast wie Urlaub und ist tatsächlich ganz angenehm am heutigen Palmsonntag. Zu Hause laufen die Heizungen auf Hochtouren - sollen wir uns freuen auf die Abkühlung nach vier Monaten in tropisch heißem Klima? Am Dienstag steigen wir ins Flugzeug, das uns von Langkawi über Kuala Lumpur, Abu Dhabi und Düsseldorf nach Österreich bringt. Rechtzeitig zum Osternesterlsuchen sind wir also wieder daheim.

Ostern in Österreich einmal anders - 15 cm Neuschnee - der arme Hase ist ganz verzagt.
Wir lassen uns die Laune deshalb nicht verderben, suchen die Nesterl eben drinnen und machen uns einen gemütlichen Tag mit der Familie.
Es ist schön, wieder daheim zu sein.
Euch allen, die ihr unsere Reise mitverfolgt, wünschen wir FROHE OSTERN und eine angenehme Zeit.
Wenn wir im Herbst nach Langkawi zurückfliegen gibt es wieder neue Berichte.

Wenn dicke Wolken am Himmel hängen und immer wieder Regengüsse schicken, bleibe sogar ich lieber im Haus.
Jetzt habe ich endlich Zeit, unsere vielen Fotos zu durchforschen und zu bearbeiten.

In der Bildergalerie findet ihr eine kleine Auswahl.

NEU sind die Beiträge

- von unserer Fahrt über den Golf von Thailand, vorbei an Singapur, durch die Malakkastraße bis Penang

- Impressionen von Georgetown auf Penang und von der grünen Inselwelt Langkawi.

Ich wünsche euch viel Freude damit...wenn wiedermal die Sonne nur hinter grauen Wolken lacht.

Zufällig erfahren wir durch gute Freunde vom Weltumseglertreffen am Grundlsee. Uli und Imke von der SY Eiland haben wir vor sieben Jahren in der Türkei kennengelernt, uns immer wieder gemailt, die beiden aber seither nicht mehr getroffen. "Wir fahren nach Gössl am See", schreibt
Imke zurück, als wir ihr zum Geburtstag ein SMS schicken. Das wäre doch eine super Gelegenheit für ein Wiedersehen.

Bei strahlendem Wetter genießen wir ein herrliches Wochenende unter Segelbegeisterten und plaudern mit vielen "alten" Bekannten. Eigentlich
wollten wir gar nicht das ganze Programm mitmachen...was wird das wieder für ein Trubel? Aber Ernst Köberl, der Organisator vom örtlichen
Yachtclub, begrüßt uns so freundlich und rührend, dass wir uns wirklich wohl fühlen.

Nur noch 3 Wochen, dann sitzen wir wieder im Flugzeug nach Malaysien.
All die Gespräche und Fotos sind ein guter Motivationsschub, um uns vom ausgiebigen Heimaturlaub wieder auf ein Leben am Boot umzustellen.

Wenige Tage vor unserem Abflug nach Malaysien habe ich endlich auch die Bilder von der Segelsaison 2012/13 geordnet und für die Bildergalerie
bearbeitet. Wahrscheinlich brauche ich den Zeitdruck, sonst lockt mich immer die Sonne nach draußen.
Jedenfalls - solltet IHR Zeit und Lust haben für unsere Eindrücke in Thailand und Malaysien, zu Lande und zu Wasser, dann wünschen wir euch
viel Freude mit den Fotos.
Demnächst folgen neue Berichte aus Malaysien. Wir brechen wieder auf...

klimaneutral gehostet