Durch Zufall ergattern wir einen Platz in der kleinen Marina auf Pulau Tioman. "Alles voll", meint der Hafenmeister. "That´s not my responsibility", ist seine Lieblingsaussage. Wir erfahren, dass ein Segler rausfährt und beeilen uns, die Lücke aufzufüllen. Alle sind zufrieden, so einfach ist das hier.
Die Landebahn hinter dem Ort Tekek ist nur für geübte Piloten geeignet. Zwei mal täglich kommt eine Propellermaschine der "Berjaya Air" aus Kuala Lumpur. Felix ist sicher aufgehoben, also ergreifen wir die Gelegenheit und fliegen für drei Tage in die malaysische Hauptstadt. Sogar als abgebrühte Vielflieger beobachten wir gespannt, wie die Maschine mit dröhnenden Motoren abhebt und kurz darauf in einer Steilkurve entlang dichtbewaldeter Hügel mit uns Richtung Meer entschwebt.


Genau eine Stunde dauert der Flug. Wir stehen unter Zeitdruck, denn noch vor halb zwölf Uhr sollen wir auf der thailändischen Botschaft unseren Antrag für das Touristenvisum abgeben. Rasch handeln wir einen annehmbaren Taxipreis aus und ersuchen den Fahrer, sich nach Möglichkeit zu beeilen. Der nette, ältere Herr kennt sich aus im dichten Verkehrsgetümmel und nützt jede Chance. Er hängt sich ohne Zögern an eine Polizeieskorte und findet umsichtig immer die beste Spur. Wirklich noch rechtzeitig setzt er uns an der Jalan Ampang Nr. 206 ab.
Die Botschaftsangestellten arbeiten wie am Fließband ohne Lächeln oder Gruß. Pass und Antragsformular abgeben, egal was draufsteht, 110 Ringit (etwa 28,- Euro) bezahlen, der Nächste! Wir wollen noch anmerken, dass wir mit dem Boot einreisen und hätten gerne gewusst, ab wann das Visum läuft. Durch das Sprechfenster in der Glasscheibe wird uns eine knappe Antwort hingeschmissen. Danke vielmals! Nächsten Tag um halb drei Uhr stellen wir uns in die Schlange der Thailandreisenden und holen unsere Pässe wieder ab. Die Bestimmungen in den verschiedenen Ländern müssen wir so akzeptieren, wie sie sind. In Malaysien dürfen wir drei Monate bleiben ohne irgendwelche Kosten, die Thais machen eben ein Geschäft daraus.

Im indischen Viertel suchen wir uns ein Quartier. Das "Garden City Hotel", ein älteres Gebäude mit Blumen an den Fenstern, macht einen freundlichen Eindruck. Das Zimmer ist allerdings recht klein mit abgenutzten Möbeln. Es efüllt seinen Zweck, die Klimaanlage funktioniert und nach Reklamation geht auch die Klospülung.
Ende Oktober feiern die Inder "Deepavali", das hinduistische Lichterfest. Schon jetzt sind die Straßen voll mit Verkaufsständen. Süßigkeiten, Knabbereien, Kleider und Krimskrams werden angeboten, Häuser und Wohnungen mit Lichterketten und "Happy Deepavali" Schildern geschmückt.
Zu Fuß und mit dem Taxi erobern wir die Stadt. Vom KL-Tower, dem vierthöchsten Fernsehturm der Welt, sehen wir Wolkenkratzer und alte Stadtviertel von der Vogelperspektive. Die Petronas-Twin-Towers waren bis vor wenigen Jahren die höchsten Gebäude weltweit. Wir fahren nicht nach oben, sondern flanieren an schicken Markengeschäften entlang, relaxen bei einer Melange im "Café Vienna" und erleben als Draufgabe einen Empfang der Königin in der Galerie.
Chinatown ist ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Alles, was der Mensch braucht - oder auch nicht - wird zu Billigstpreisen angeboten. Verlockende Genüsse für den Gaumen verhelfen eventuell zu einem verdorbenen Magen. Wir sind lieber vorsichtig mit solchen Schmankerln.Das alterwürdige "Coliseum Restaurant" ist berühmt für sein "Sizzling Steak". Das leisten wir uns natürlich, sowie ein Abendessen in einem stilvollen Lokal am "Central Market". Die Calamari sind wunderbar zart und der Salat wohlschmeckend mariniert. Genau mit dem letzten Bissen erwische ich eine teuflisch scharfe Chilischote, die mir die Tränen in die Augen treibt. Mund und Hals brennen wie Feuer. Voll Mitgefühl bringt mir der Kellner ein paar Servietten und ein Glas Eiswasser. Könnt ihr diese Biester nicht extra servieren? Das gehört ja verboten! Langsam lässt der Schmerz nach und ich spüle meinen Ärger runter.
Die Bevölkerung von Kuala Lumpur ist eine Mischung aus Indern, Chinesen und Malayen. Frauen mit Kopftüchern zu Jeans oder traditioneller Kleidung, Männer in modernem Anzug oder indischen Gewändern - die Stadt ist bunt, beeindruckend und ungewohnt laut. Großkaufhäuser und viele kleine "Pasars", Verkehrslärm und Musik - müde betreten wir barfuß den "Sri Mahamariammam Tempel", setzen uns auf den Boden und verfolgen die abendliche Opferzeremonie.

Am Samstag Vormittag bringt uns das Propellerflugzeug wieder wohlbehalten zurück. Die Ohren müssen sich nach dem Großstadtwirbel erst wieder an Ruhe und Vogelzwitschern gewöhnen. Auf der Insel geht es gemütlicher zu, obwohl Pulau Tioman viele Tauchtouristen anzieht. Ein sehr interessantes "Marine Park Center" gibt Einblick für jedermann in die Unterwasserwelt und informiert über den Schutz der Korallenriffe und eine sinnvolle Fischereiwirtschaft. Unsere Abreise verschieben wir von einem Tag auf den anderen. Es ist gemütlich in der Marina und außerdem recht günstig. Den seltenen Luxus, jederzeit ins Dorf gehen zu können oder einen Spaziergang durch den Dschungel zu machen, wo Äffchen am Straßenrand herumhüpfen, wollen wir nicht so schnell aufgeben.


klimaneutral gehostet