14:00 UTC, Wind NE 25 Kn; See 5 m; Kurs 255°
von Sonja
"Wir tun den Parasailor weg." "Soll ich helfen?" "Nein, nur damit du`s weißt." Zehn nach sechs Uhr reißt mich der Käpt`n mit dieser Meldung aus dem Schlaf.

Natürlich stehe ich auf, meine Wache fängt ohnehin um sieben Uhr an. Ausgerüstet mit Schwimmweste hat sich die ganze Mannschaft im Cockpit versammelt. Der böige Nordostwind legt bis dreißig Knoten zu. Lois teilt jedem von uns seine Aufgabe für dieses Manöver zu. Ich übernehme das Steuer und soll dafür sorgen, dass der Wind leicht backbord von achtern kommt. Tom macht die Schoten auf, damit das Segel einfällt, Lois wird den Bergeschlauch runterziehen und Sonne soll die Schoten an Steuerbord ins Cockpit ziehen. Bei starkem Wind ist es schon tagsüber nicht lustig, den Parasailor zu bergben. In der finsteren Nacht müssen wir doppelt aufpassen, dass keiner verloren geht. Selbstverständlich arbeiten wir am Vorschiff nur mit eingehaktem Lifebelt. Manöver geschafft, das Segel ist verstaut. Wir setzen die Genua leicht gerefft und machen immer noch sieben Knoten Fahrt. Das reicht doch!
Meine Wache beginnt. Die restliche Crew verzieht sich wieder in die Betten. Tom und Sonne sind allerdings kurzfristig von der Bug- in die Heckkabine umgezogen. Die Frischluftfanatiker hätten bei dem Seegang doch lieber die Luke über ihrem Bett zumachen sollen. Wenn ich´s nicht schon so oft gesagt hätte! Aber wer nicht hören will, der muss eben fühlen.
Mein Auberginenauflauf schmort gerade am Herd, als die Angel unüberhörbar auszulaufen beginnt. Im Nu ist die ganze Schnur draußen. In Windeseile wird die Genua geborgen und die Motoren gestartet. Tom versucht, das Boot in den beachtlichen Wellenbergen stabil zu halten. Lois ist an der Angel. Er kämpft mit dem Fisch, die Rute biegt sich gewaltig. Meter um Meter versucht er, die Schnur wieder einzuholen. Der Fisch wird nicht müde und zieht kräftig nach unten. "Tom, pass auf, sonst kommt die Schnur in die Schraube!" Ich bringe sämtliche Hilfsmittel, die wir an Bord haben - ein Brustgeschirr, um unseren Käpt`n zu sichern und eine Angelhalterung, die er sich um die Hüften schnallt. "Da, trink mal was!" Wenigstens sehen würden wir den Riesenfisch gerne, aber er zeigt sich nicht. Ein Thunfisch, ein Hai - was ist da dran? Fast eine halbe Stunde dauert der Kampf, dann ist ER weg. Lange Gesichter! Besonders ärgert sich aber Lois. Nicht nur, weil er seinen besten Köder verloren hat, er wird auch nie erfahren, wer ihn heute besiegt hat.

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