Dicke Wolken hängen über der Bucht. Die Solarzellen machen Pause.

Der Südwind mit zehn bis fünfzehn Knoten lässt wenigstens unseren Windgenerator arbeiten, um den Energiehaushalt an Bord nicht ganz in den Keller purzeln zu lassen. Zweimal habe ich die Waschmaschine laufen lassen und das Bett in der Gästekabine im Steuerbordrumpf neu bezogen. Im August könnte sich die Sonne schon etwas mehr anstrengen, andererseits tut auch ein wenig Abkühlung ganz gut. Wir starten halt für einige Zeit die Motoren und lassen gleichzeitig den Watermaker laufen, damit Batterien und Wassertank wieder aufgefüllt werden.

Ungewöhnlich ruhig ist es auf Felix. Die vergangenen drei Wochen haben wir mit unserer Familie genossen. Wer soll denn jetzt den Obstsalat fürs Frühstück herrichten und wer wäscht das Geschirr ab? Urlaub auf Felix

Am Montag, den 16. Juli, holen wir "Goli" Monika vom Flughafen ab. Nach der welligen Überfahrt mit dem Schlauchboot freuen wir uns auf zwei schöne Segelwochen mit unserer Tochter.
Die erste Nacht an Bord ist etwas unruhig, wMonika vorm Stoair schlafen alle nicht besonders gut und verschieben die geplante Überfahrt nach Ibiza um einen Tag. In der Cala Portals Vells39°28,5N 002°31,3E) im SW von Palma lassen wir den Urlaub langsam beginnen. Diverse Megayachten bevölkern die Bucht. Sie bieten immer ein interessantes Programm, ist eindeutig besser als fernsehen. Gegen Abend verziehen sich jedoch fast alle Richtung Marina, schließlich will man ja auch noch schick ausgehen. Uns soll`s recht sein. Wir genießen die Ruhe und den Sternenhimmel und lichten am Mittwoch um halb achtVater und Tochter in Ibiza Uhr den Anker. Ibiza wartet!
Auf der Westautobahn kann zu Ferienbeginn nicht mehr Verkehr sein, als im Sommer zwischen Ibiza Stadt und Formentera im Süden. Wir haben ja schon einiges gesehen und auch keine ruhige Idylle erwartet. Die angeblich romantische Bucht auf Espalmador (38°46,9N 001°25,5E)hat zwar einen schönen Sandstrand. So richtiges Karibikfeeling, das unser Balearenhandbuch verspricht, will aber bei dem ziemlich schmutzigen Wasser und den vielen Booten, die uns um die Ohren fahren nicht aufkommen.
Wir segeln weiter Richtung Westküste und lassen in der Cala Horts(38°53N 001°13,4E) unseren Anker fallen. Dem ärgsten Trubel sind wir entkommen. Das Wasser ist türkis, die Landschaft mit den vorgelagerten steilen Felsinseln wunderschön. Gegen das erfrischende Bad im kühlen Nass spricht nur eines - Quallen!
Das HiPina colada zum Sundownghlight unseres Ibizabesuches ist eindeutig San AntonCafe del Mar - Ihr Auftritt bitteio(38°58,3N 001°18E). Wir lassen uns am späten Nachmittag im "Cafe del Mar" nieder und erleben von der ersten Reihe einen spannenden Sonnenuntergang. Wird sie es schaffen, oder gewinnen die Wolken? Passende Musik verstärkt die Atmosphäre. Hinter einem feinen Schleier ist die rote Kugel zu sehen, bald nur noch ein Pünktchen, weg ist sie. Hunderte Gäste vom Cafe und am Strand applaudieren ... Gänsehautstimmung ... !

Für Montag ist Westwind vorausgesagt, ideal für die Rückfahrt nach Mallorca. Wir setzen den Parasailor und sind bei bis zu zwanzig Knoten Wind äußerst flott und angenehm unterwegs. Dass Lois zusätzlich noch eine Drei-Personen-Makrele fängt, die wir uns im Hafen von Andraitx(39°32,7N 002°23,1E) schmecken lassen, macht den Segeltag perfekt.

"Das ist ihr Flieger, oder doch der...?" Wir sitzen am Freitag Abend im Cockpit und schauen den Flugzeugen nach, die alle zwei Minuten von Palma abheben. Monika fliegt wieder heim. Nur kurz haben wir Zeit für Abschiedstränen, der nächste Besuch steht schon vor der Tür.

Am Samstag, den 28. Juli, klingelt um 15Uhr30 das Handy. Wir warten vor dem Eingang zur Marina El Arenal auf Bianca und Sigi. "Hallo, wir sind da!" Das ist schön, aber wo? Leider hat sie der Taxifahrer schon beim Parkplatz abgesetzt. Kein Problem, wir finden die beiden und bringen sie relativ trocken samt Gepäck mit dem Dingi an Bord. Diese Schlauchbootfahrt ist die erste "Schiffsreise" von Sigi. Bianca hat schon etwas Erfahrung mit Booten, für ihren Freund ist alles vollkommen neu. Hui, das wackelt aber. Unser Ankerplatz ist von West bis Süd offen und zeitweise sehr schaukelig. Zur Sicherheit nimmt unsere Nichte einen Reisekaugummi. Eine freundliche Apothekerin hat sie zu Hause mit den nötigsten Mittelchen versorgt. Ich serviere einen fruchtigen "Wellcomedrink". Biancas Geschmackssinn ist von dem Kaugummi ganz betäubt und die Zunge gefühllos. Sehr schnell gewöhnen sich die zwei an das wackelige Leben an Bord und finden es super, wenn die Wellen sie in den Schlaf schaukeln. Kaugummi brauchen sie die ganze Woche keinen mehr.

Vor dem kilometerlangen Sandstrand von Es Trench(39°20,3N 002°59,1E), ungefähr zehn Meilen östlich der Bucht von Palma, gehen wir vor Anker. Viele Boote sind hier, stören aber unsere Gäste keineswegs. Weiß strahlt der Strand, türkis das Wasser. Mit einem eleganten Köpfler hechtet Sigi ins Wasser. Ich staune nicht schlecht. Eigentlich haben wir erwartet, dass er erst mal vorsichtig die Zehen nass macht. Von wegen wasserscheu und Angst vor dem weißen Hai! Auch Bianca können wir bald mehr unter als über dem Wasser beobachten. Solche Wasserratten! Bianca und Sigi

Im Hafen von Campos füllen wir Diesel und Wasser auf und nehmen anschließend Kurs Richtung Westen.

In der kleinen Bucht mit Blick auf die Isla Malgrats(39°30,2N 002°27,6E) unternehme ich mit den beiden eine ausgedehnte Schnorcheltour. Bianca ist mit Flossen und Maske bereits vertraut und Sigi findet ebenfalls schnell Gefallen daran. "Und wenn Wasser in den Schnorchel kommt, was mache ich dann?" "Na rausblasen!" Er lernt schnell und hat überhaupt keine Scheu. Wir schnorcheln über eine Riffkante und sehen vor uns plötzlich tiefblaues Wasser, in dem sich ein Schwarm Mönchsfische tummelt. Sehr beeindruckend! Die Tiefe sorgt für einen beschleunigten Puls und Sigi dreht lieber wieder um. Bianca kann gar nicht genug bekommen und muss sich den Kick noch einmal geben.

Nach vielen vergeblichen Versuchen gehen wir in Port Andraitx vor Anker. Der Grund hält nicht besonders und recht dicht liegen hier bereits die Boote. Bianca Großes Frühstück an Bordwill noch an ihrer Diplomarbeit schreiben, die sie bald abgeben muss. Sigi begleitet uns an Land, um im Supermarkt frisches Obst und Brot einzukaufen. In dem abgeschlossenen Raum bekommt er zum ersten mal Probleme. Der Boden schwankt und er wird ganz blass. Typischer Fall von Landkrankheit! Auch Bianca hat bei ihrem anschließenden Abendessen damit zu kämpfen. Die beiden fühlen sich erst bei der Heimfahrt im Dingi wieder richtig wohl. Das sind echte Segler.

Am Freitag soll ein kräftiger Nordostwind wehen. Wir hatten zuerst Bedenken, ob wir unseren Gästen den Seegang so hart am Wind zumuten sollen. Tatsächlich sind sie voll begeistert und wir erreichen mit zweimaligem wenden unter vollen Segeln unseren Ausgangspunkt in El Arenal. Nach ihrem netten Eintrag im Logbuch zu schließen, hat ihnen die Woche auf See sehr gut gefallen. "Tschüß Felix!" Schon winken sie uns am Samstag Abend aus dem Taxi zu und verschwinden Richtung Heimat.

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