Der schmale Kanal zur "Marsden Cove Marina" ist gut markiert und beleuchtet. Trotzdem sind wir froh, noch vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen. An backbord setze ich die Fender. Elegant möchten wir umdrehen und am Zollsteg anlegen. Plötzlich stirbt der Steuerbordmotor ab. Nach erfolglosen Startversuchen und Anstieg des Adrenalinspiegels bemerken wir das Seil, das sich im Propeller verfangen hat. Sofort ist ein hilfsbereiter Kiwi mit seinem kleinen Fischerboot zur Stelle und unterstützt uns beim Anlegemanöver.
Wir fühlen uns wie betäubt von der unglaublichen Stille. Felix liegt wie einbetoniert. Keine schlagenden Wellen, keine knarrenden Geräusche am Boot. Nach den vergangenen Tagen auf See und den vielen Monaten vor Anker ist diese Ruhe beinahe unheimlich.

Noch am Abend erscheint ein Herr mit Aktenkoffer am Steg. Er verkörpert Zoll- und Einreisebehörde. Wir geben ihm den ganzen Stapel Papiere, den wir vorbereitet haben. Er sucht sich aus, was für ihn bestimmt ist, stellt einige Fragen und macht einen kurzen Rundgang durchs Boot. Ganz unverkrampft und freundlich läuft die "Amtshandlung" ab. Ein Stempel in unsere Pässe und schon sind wir offiziell in Neuseeland angekommen.
Die Dame vom MAF kommt am Montag Vormittag an Bord. Nach all den Geschichten, die wir von anderen Seglern im Vorfeld gehört haben, sind wir gespannt, was jetzt auf uns zukommt. Einen großen schwarzen Sack hat sie mitgebracht, in dem unser letzter Krautkopf, eine Gurke und der Müllsack verschwinden. "Habt ihr noch Honig?" Auf diese Frage sind wir vorbereitet, weil wir wissen, wie wichtig in Neuseeland der Schutz der heimischen Bienen ist. "Nein, haben wir alles aufgegessen." Helen ist zufrieden. Ich zeige ihr unsere Vorräte. Reis, Nudeln, Mehl, Müsli und Couscous, das können wir alles behalten. Ganz begeistert ist sie von meiner getrockneten Brotfrucht, den Karotten, Zwiebeln und Tomaten. Im Säckchen mit den Auberginen entdeckt sie kleine weiße Käfer - sorry - das übrige Trockengemüse können wir behalten. Sogar Käse und Milchpulver bestehen die Kontrolle, abgesehen von der Packung, die in Südamerika produziert wurde.
Nachdem Helen sich freundlich verabschiedet hat, sehen wir uns höchst erstaunt an. Warum haben wir uns eigentlich um die Einreise in Neuseeland so viele Gedanken gemacht?

Part1.jpeg Part2.jpeg Part3.jpeg

klimaneutral gehostet