Auf der Insel Tioman ist es um diese Zeit recht beschaulich, zumindest an Land. Kaum ein Tourist mischt sich unter die heimische Bevölkerung. Schuld daran ist der Nordostmonsun, der vor der Ostküste Malaysiens mit starkem Schwell das Meer aufwühlt. Unser Ankerplatz ist entsprechend unruhig. An erholsamen Schlaf, auf den wir uns nach der Überfahrt gefreut hätten, ist nicht zu denken. Obst und Gemüse sind Mangelware, da auch das Versorgungsschiff bei diesem Wetter unregelmäßig kommt. Dafür sind die Beamten von Zoll, Hafen- und Einreisebehörde sehr nett und unkompliziert.


Am 10. Jänner brechen wir noch vor dem Morgengrauen auf - Kurs Singapur. Mit gemischten Gefühlen gehen auf Pakia tea noch zwei Freunde unserer Kinder an Bord. Martin und Elke sind für Abenteuer immer offen, haben aber wenig Erfahrung mit hohen Wellen. Die knapp 90 Seemeilen bis zum malaysischen Festland ähneln einer Fahrt mit der Hochschaubahn. Sie nehmen es gelassen und verbringen die meiste Zeit liegend in der Kabine. Im letzten Tageslicht erreichen wir unseren Ankerplatz "geschützt" hinter einer Landzunge und sind schwer enttäuscht, dass uns auch hier der Schwell fast aus dem Bett schmeißt.
Mit großem Kopf und müdem Lächeln steuern wir frühmorgens endgültig die wirtschaftliche Metropole Südostasiens an. Singapur wir kommen! Wind NW 15 Knoten + 2 Knoten Strömung = 8 Knoten Fahrt nur unter Genua. Die Frachter um uns herum werden schnell mehr und erfordern höchste Konzentration am Steuer. Wir schalten den AIS-Alarm aus, der nervt nur. So eine Ansammlung von Ozeanriesen haben wir noch nicht gesehen. Viele liegen vor Anker, zum Glück, aber immer wieder kommt uns einer in die Quere. Ziemlich klein fühlen wir uns und lassen den dicken Brummern lieber die Vorfahrt. Ein rotes Schiff mit weißen Aufbauten muss ich mir genauer anschauen. Kaum zu glauben! Das ist wirklich die "Tampa" aus Norwegen, mit der ich mitten am Pazifik über Funk geplaudert habe.
Die beeindruckende Skyline von Singapur zieht an uns vorüber mit Wolkenkratzern, Riesenrad und Megahotel samt Parkanlage in schwindelnden Höhen. Berühmte Architekten waren wohl hier am Werk. Uns ist gar nicht leid, dass wir im Moment einen Bogen um dieses hektische Treiben machen. Müde wie wir sind, träumen wir nur von einem friedlichen Plätzchen. Kampfjets donnern mit Höllenlärm über unsere Köpfe. Vor uns bahnt sich Pakia tea unter vollen Segeln ihren Weg zwischen Frachtern und Bohrinseln, vorbei an Raffinerien und Öllagern. Wieder in malaysischen Gewässern fällt gegen Mittag der Anker - keine Wellen und kein Schwell - herrlich!

Frisch und fröhlich nehmen wir die Malakkastraße in Angriff zwischen der indonesichen Insel Sumatra im Westen und der Halbinsel von Malaysien im Osten. Nicht zu nahe am Ufer wegen der Fischernetze, aber auch nicht zu weit draußen wegen der Schiffahrtsroute wollen wir die nächsten 350 Meilen bewältigen. Mit zehn bis Fünfzehn Knoten bläst ein angenehmes Lüftchen, aber leider zu sehr aus NW, sodass wir mühsam aufkreuzen müssen. Auf Pulau Pisang (=Bananeninsel!) machen wir Mittagsrast. Fast wären wir verleitet, an Land zu gehen, wo wir mit dem Fernglas tatsächlich Bananenstauden entdecken. Doch die Zeit drängt. Schon Ende Jänner sollen Tom und Sonja von Phuket heimfliegen nach Wien. Der Wind dreht weiter auf Nord und wir erreichen nach einer durchsegelten Nacht mit hellem Wetterleuchten über Sumatra noch vor Tagesanbruch die Zufahrt nach Muar. Wir gönnen uns ein Nickerchen und ein ausgiebiges Frühstück, bevor wir hinter Pakia tea durch teilweise seeeehr seichtes Wasser Richtung Stadt motoren. Die Boote verankern wir im Fluss vor der Brücke. Tom spielt Taxi, weil sein Dingi größer ist. Er bringt uns alle zum "Giant"-Supermarkt und anschließend gegenüber zum Lunch in die Stadt. Den Bauch gefüllt mit pikanten Reis- und Nudelgerichten machen wir das Dingi los - aber der Motor will nicht anspringen. Erst jetzt bemerken wir die starke Strömung im Fluss und können uns gerade noch an einen dicken Pfosten klammern... erleichterte Gesichte, als der Motor endlich schnurrt.

25 Meilen später sind wir in Malakka (malays. Melaka). Es ist bereits finster und wir suchen uns mit Hilfe der elektronischen Seekarte nördlich der Einfahrt einen Schlafplatz. In der Ferne funkeln die Lichter der Vorstadt. Ich stehe am Bug und halte plötzlich die Luft an. Da, gar nicht weit, das ist Strand, kein Wasser. Stopp! Lois zweifelt. Laut Karte haben wir noch viel Platz. Zurück! Er holt den starken Scheinwerfer. Tatsächlich, das war knapp. Der nächste Morgen bringt es ans Licht. Mit schwerem Gerät wird gebaggert und gewerkt und der Strand aufgeschüttet.
Malakka, die älteste Stadt Malaysiens, geht im Touristenkitsch unter. Ohne Zweifel gibt es interessante Bauwerke aus der Zeit der Portugiesen, Holländer und Briten. Aber warum müssen die Rikschas (Fahrradtaxis) bis zum Übermaß mit Plastikblumen geschmückt sein und aus vier Boxen lautstark Musik verbreiten? Zum chinesichen Neujahrsfest wird ein überdimensionaler Drache montiert. Am Hafen entstehen neue Prunkbauten. Bleibt zu hoffen, dass auch noch Geld für die Kanalisation übrig ist, denn der Fluss stinkt wie eine Kloake.

Die restlichen 250 Meilen sind heiß und windstill. Der Motor brummt und wir schwitzen. Nur kurz machen wir Zwischenstopp auf den Sembilan Inseln. Üppiger Regenwald mit weißen Stränden wirkt traumhaft, das Wasser ist jedoch grün und schmutzig von den nahen Flussmündungen. Außerdem fällt der Grund sehr steil von 16 auf 90 Meter ab und starke Strömungen treiben unsere Boote kreuz und quer. Anker auf und weiter geht´s! Während der Nachtwachen bleibt keine Zeit für ein gutes Buch. Zu viele rot- grün- gelb- blinkende Lichter verlangen ungeteilte Aufmerksamkeit. Entweder es sind beleuchtete Stellnetze oder Fischerboote, die scheinbar grundlos die Richtung ändern und unbedingt noch vor uns rüber müssen.
Wir sind recht froh, als am dritten Tag die Insel Penang mit der Silhouette von Georgetown vor uns auftaucht. Stolz fahren wir unter der weitausladenden "Pinang"- Brücke durch und machen bald darauf in der "Tanjong City Marina" fest mit Blick auf die Altstadt von Georgetown. Die Crew von Pakia tea gönnt sich zwei Tage die Annehmlichkeiten des Marinalebens, ausgefüllt mit bunkern, Treibstoff besorgen und Wäsche waschen. Gestern früh haben wir zum Abschied gewunken und sehen zu, wie die zwei Masten Richtung Langkawi entschwinden. Passt auf euch auf und kommt gut heim!

Foto Nr. 7 und 8: Martin Blas

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