Etwas Wehmut schwingt mit, wie jedes mal, wenn wir weiterziehen. Obwohl uns der Ankerplatz vor Georgetown auf Ascension Island einige unangenehme Überraschungen beschert hat, haben wir die acht Tage auf der Insel doch sehr genossen. Der Ankergrund ist teilweise gespickt mit Felsen und altem Ankergeschirr. Auf 14 Meter Wassertiefe geben wir 70 Meter Kette, verfangen uns aber an einer Felsnase. Durch den meterhohen Schwell entsteht so ein heftiger Zug, dass die ganze Kette ausrauscht und die Verschraubung der Ankerwinsch mitsamt einem Stück vom Deck herausbricht.

Nach entsprechender Hektik an Bord bringen wir die Situation wieder unter Kontrolle, suchen uns einen besseren Ankerplatz und reparieren den Schaden. In der darauffolgenden Nacht werden wir durch einen lauten Rumpler geweckt. Unser erster Gedanke - wir sind mit einem anderen Boot zusammengestossen. Aber nein, die lange Pipeline, die zur Versorgung der Insel mit Treibstoff in der Bucht liegt, ist durch die Strömung so weit gedriftet, dass sie uns gerammt hat. Die Kratzer am Backbordbug sind nicht so schlimm. Wir schützen die Ruempfe daraufhin sicherheitshalber mit Fendern. Am nächsten Abend sitzen wir beide vor unserem Laptop, als etwas an Deck landet und lautstark herumschlägt. Ein Vogel... Lois leuchtet mit der Lampe und findet ein zappelndes Etwas, das sich als grosser fliegender Fisch entpuppt. Der unerwartete Besucher ergibt eine köstliche Fischmahlzeit, herzlichen Dank!
Bei Vollmond fahren wir mit Thomas und Sonja zum Strand. Tausende Suppenschildkröten schwimmen jedes Jahr über 1000 Meilen von Brasilien bis Ascension, um an den langen Sandstränden ihre Eier abzulegen. Sorgfältig graben sie mit den Hinterbeinen ein Nest, legen unter größter Anstrengung mehr als hundert Eier hinein, verschließen die Eikammer sorgfältig und schütten dann die Grube mit den Vorderbeinen wieder zu. Das Ganze dauert mindestens zwei Stunden. Immer wieder brauchen sie eine Verschnaufpause. Mühsam klettert die Schildkröte danach aus der Mulde und kehrt zurück ins Wasser. Ganz vorsichtig und leise beobachten wir dieses besondere Schauspiel. Wenn die Tiere gestört werden, sobald sie aus dem Wasser kommen, drehen sie um und brechen die Aktion ab. Was dann mit den Eiern passiert, können wir nicht sagen.
Die zu Großbritannien gehörende Insel Ascension ist ein Stützpunkt mitten im Südatlantik für das amerikanische Militär und für die englische BBC. Es hat keine dauerhaften Bewohner, nur Arbeiter und ihre Familien für die Zeit des Vertrages. Daher gibt es auch keinen gemütlichen Ort oder Restaurants, die Gebäude sind zweckmäßig und steril. Bei unserer Inseltour mit dem Leihauto entdecken wir dafür die landschaftlichen Reize dieser vulkanischen Insel. Von schwarz über rot und braun erheben sich Hügel aus Lavagestein und wechseln ihre Farbe mit dem Lichteinfall. Dazwischen steht der Green Mountain mit seiner Nebelhaube. Er wurde von den Engländern mit Pflanzen aus aller Herren Laender begrünt und bildet den einzigen von Menschenhand geschaffenen Nebelwald. Das Schönste für uns ist aber, dass hier ganz viele Bananen wachsen, die jeder mitnehmen darf.
Wir machen Mittagsrast auf einem herrlichen Sandstrand umrahmt von schwarzem Gestein, darüber kreisen unzählige Fregattvögel, Tölpel und Seeschwalben, die auf der Insel ungestört nisten können. Ascension ist ein Ort für Naturliebhaber, dessen Tier- und Pflanzenwelt sich Dank des Conservation Departments immer mehr erholt.

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