Der Flughafen ist bereits gebaut, aber noch nicht eröffnet - im Mai vielleicht. Die ältere Bevölkerung ist ziemlich skeptisch, wie das werden wird. Sicher warten auch viele seit Jahren darauf, dass mit dem Flugverkehr die Insel leichter erreichbar ist. Wir fühlen uns jedenfalls richtig wohl auf St. Helena wie es momentan ist. Gemüse und Obst gibt es nur am Donnerstag zeitig in der Früh und auch da ist die Auswahl bescheiden dafür von heimischen Gärten.

Zwischendurch finden wir in einem Supermarkt ein paar Bananen, bekommen einen Tipp, wo es frische Paprika gibt und im dritten Markt finden wir Kiwis. So stocken wir langsam unsere Vorräte auf für die Weiterfahrt. Internet über Handy funtioniert nur sehr schwach, Wifi geht halbwegs. Die unverzichtbaren Annehmlichkeiten der modernen Welt tauschen wir gerne gegen die freundliche Art der Bevölkerung. Jeder grüßt jeden auf der Straße, ganz leicht ergibt sich ein nettes Gespräch und es wird uns mit allen Anliegen bereitwillig geholfen.

Zu unserer großen Freude halten sich gerade Walhaie vor der Küste von St. Helena auf. Die einmalige Chance, mit den größten Fischen der Meere zu schnorcheln, lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Mit einem lokalen Tauchlehrer machen wir uns bei ziemlich starkem Seegang im großen Schlauchboot auf die Suche nach diesen recht seltenen Tieren. Alleine die schroffe Inselkulisse entlang der Westküste nordwärts ist eine Ausfahrt wert. Zusammen mit Kathy sucht Craig an der Wasseroberfläche nach einem dunklen Schatten. Bald nimmt er Gas weg, wir schlüpfen schnell in die Flossen, setzen die Maske auf und springen ins Wasser. Wow, da ist einer! Bedächtig zieht er seine Kreise und kommt mit seinem breiten, halbgeöffneten Maul direkt auf mich zu. Drei Meter sollen wir Abstand halten, ob das der Walhai auch weiß? Ich drehe lieber ab und beobachte das riesige Tier über die Schulter. Auf seinem Speiseplan stehe ich nicht, da bevorzugt er Plankton und kleine Fische, aber auf Körperkontakt kann ich trotzdem gerne verzichten. Langsam gewöhne ich mich an die Bewegungen des eleganten Riesen und atme wieder ruhiger. Wir sind echt fasziniert und glauben fast zu träumen. Lange Zeit können wir das gewaltige Meerestier beobachten und klettern mit einem breiten Grinsen zurück ins Schlauchboot. Noch ein zweites mal springen wir ins Wasser und dieser Walhai ist noch um einiges größer. Leider fühlt er sich aber von uns gestört und taucht bald ab. Den Anblick werden wir niemals vergessen.

St. Helena ist untrennbar verbunden mit Napoleon, der von 1815 bis zu seinem Tod 1821 auf der Insel im Exil gelebt hat. Ein älterer Herr mit einem noch älteren Ford Transit fährt mit uns über die Insel auf den Spuren des großen Feldherrn. Bei den Führungen in "Briars Pavillion", wo Napoleon sieben Wochen verbracht hat, und durch "Longwood House", das für die restlichen Jahre sein Aufenhaltsort war, sind wir erstaunt, wie hochgelobt und bewundert dieser Kriegsherr noch heute auf St. Helena wird. Sein Leben im Exil ist offensichtlich recht angenehm verlaufen. "Immerhin hat er St. Helena ins Bewusstsein der Welt gerückt", meint die alte Dame auf meine verwunderte Frage.

Wir rattern weiter mit dem alten Vehikel und kommen vorbei an grünen Hügellandschaften und Rinderherden auf saftigen Wiesen. Nebel liegt über "Diana´s Peak", mit etwa 800 m die höchste Erhebung auf der Insel. Das ändert sich schnell, meint unser Fahrer. Er hat alle Zeit der Welt und wartet geduldig, bis wirklich der Wind die Nebelschwaden verbläst und die Hügelkette vor uns liegt. Die schroffe Küste würde nie vermuten lassen, wie unglaublich abwechslungsreich die Insellandschaft ist.

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