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Bei Slackwater, also wenn die Gezeiten wechseln, steuern wir die schmale, felsige Einfahrt von Knysna an. Zwischen den landschaftlich wunderschönen Knysna Heads motoren wir voll konzentriert in die Lagune und meiden das rechte Ufer, das mit Untiefen gespickt ist. Der Wind hat etwas aufgefrischt, passt aber gerade noch um bei einlaufender Strömung durch das Nadelöhr zu schlüpfen. Geschafft!


Drinnen ist das Wasser wunderbar ruhig. Schwell gibt es nur von den unzähligen kleinen Motorbooten, die uns um die Ohren fahren. Knysna ist besonders in den langen Sommer-/ Weihnachtsferien ein Urlaubsparadies für die (fast nur) weißen Südafrikaner. Wir suchen uns einen möglichst abgelegenen Ankerplatz, den wir über sehr seichte Sandbänke ansteuern. Trotzdem düsen pausenlos Funboote mit Vollgas an uns vorbei, mit Wasserschifahrern und quietschenden Kids auf Schwimmgeräten im Schlepp. Auch Fischer sind zahlreich unterwegs und machen beachtlich guten Fang. Eigentlich ist die Lagune ein Nationalpark, was hier anscheinend nicht so ernst genommen wird.
Zu Silvester steigt auf Felix eine rauschende Party mit Pizzaservice von Pakia tea. Keanu freut sich riesig und ist mit Feuereifer dabei. Nach heimatlichen Polkaklängen von den Zillertalern liefert Opa für den kleinen Mann bereits um 22 Uhr das tiefe Geläute der Pummerin und danach den Donauwalzer. Keanu ist schwer beeindruckt und fällt gleich darauf müde ins Bett. Wir halten noch länger durch, lassen die ruhige Kulisse mit den vielen Lichtern der Stadt auf uns wirken und stoßen Punkt Mitternacht auf ein erlebnisreiches, glückliches Neues Jahr an. Vereinzelt steigen Silvesterfeuerwerke auf, auch rote Notfallraketen werden abgeschossen. Das bringt Käpt´n Alois auf die grandiose Idee, ebenfalls unsere abgelaufenen Raketen zu testen. Wie funktionieren die Dinger eigentlich? Zum Glück haben wir sie ja noch nie gebraucht. Lois zieht den Zünder, die Rakete fährt aus, taucht sofort unter und sorgt für ein tolles Unterwasserfeuerwerk. Die Vorstellung ist ganz nett zu Silvester, für den Notfall wäre das allerdings nicht sehr hilfreich.
Am 3. Jänner gibt es schon wieder Grund zum Feiern. Zu unserem Rubin-Hochzeitstag lassen wir uns im Restaurant "Dry Dock" an der Knysna Waterfront gemeinsam mit Thomas, Sonja und Keanu verwöhnen. Wir genießen den Tag, denken an manche vergangene Episoden und sind bereit zu neuen gemeinsamen Taten.

Lois und Thomas haben auf Pakia tea jeden Tag zu tun. Ich möchte gerne die Stadt und die Siedlung am Berg erkunden. Also mache ich mich auf den Weg, spaziere durch die touristische Waterfront mit Souvenirläden und Restaurants hinaus in die "normale" Stadt mit Villen, Supermärkten, Kirchen... eben allem, was der moderne Mensch zum Leben braucht. In der Mittagshitze schnaufe ich den Berg hinauf. Die Fußgänger, die mir begegnen, sind ausnahmslos Schwarze. Wenn ich sie grüße, grüßen sie sehr freundlich zurück. Die Siedlung hoch über Knysna entpuppt sich als Anhäufung von wackeligen Holzhütten. Neugierig luge ich durch die Türen, kann kaum glauben, dass hier tatsächlich jemand wohnt. Wieder werde ich freundlich gegrüßt, wenn ich den Leuten zuwinke. Der Kontrast zum Leben am Fuß des Hügels könnte nicht größer sein. Schwarz und Weiß sind seit einigen Jahren gleichgestellt in Südafrika - die Realität sieht anders aus. Mit einigen Fotos möchte ich meine Eindrücke festhalten. Vor einem Krämerladen hält ein junger Mann die Hände vors Gesicht. Nein, kein Foto! Das akzeptiere ich und entschuldige mich bei ihm. Daraufhin entwickelt sich zwischen uns ein sehr interessantes Gespräch über Gott und die Welt. Samora hat begonnen in Kapstadt Geschichte zu studieren, bis ihm das Geld ausgegangen ist. Jetzt lebt er als Gelegenheitsarbeiter und vergräbt sich gerne in seine Bücher. Zum Abschied frage ich noch einmal, ob ich ihn fotografieren darf. Die Antwort gibt mir zu denken. Nein, er hätte lieber, wenn ich mich im Kopf an ihn erinnere. Das hält länger.

                     

 

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