Galapagos - unberührte, karge Vulkaninseln, einzigartige Tierwelt, Ruhe - das Bild hatten wir vor Augen. Die Realität schaut etwas anders aus.
Die große Ankerbucht vor dem Städtchen Puerto Baquerizo Moreno im Westen der Insel ist voll mit Yachten und modernen Ausflugsbooten. Auch einige alte Fischerboote dümpeln an der Mooring. Zwischen den Segelbooten sind von sechs Uhr früh bis neun Uhr abends Taxiboote unterwegs. Das eigene Dingi brauchen wir kaum. Einige male am Tag düst ein Flugzeug knapp über die Masten und sorgt für Touristennachschub. Von Land hören wir Baustellenlärm. Die Strandpromenade wird für den ECO-Tourismus gepflastert und aufgemöbelt. Souvenirshops, Bars und Reiseagenturen gibt es ohne Ende und Internetlokale wohin wir schauen. Die Leute sind freundlich, der Ort ist nett und mit dem Flair "Naturpark Galapagos" floriert das Geschäft prächtig.

Unter den Seglern herrscht großer Unmut. Wir dürfen gnädig über einen Agenten einklarieren, brav unsere Dollars abliefern und uns dann mit dem eigenen Boot nicht mehr bewegen. Ausflüge zu anderen Inseln oder Schnorcheltouren rund um San Christobal sind nur möglich über örtliche Veranstalter zu einem stolzen Preis.
Die eigentlichen Herren der Bucht sind die Seelöwen. Sie sind unsere Freunde und lassen sich von dem ganzen Trubel nicht beeindrucken. Im Wasser sind sie flink und verspielt, an Land liegen sie herum wie Mehlsäcke. Jedes Dingi und jede Plattform wird von ihnen als Schlafplatz beschlagnahmt. Seelöwen haben die Faulheit erfunden. Mit Fendern verrammeln wir bei Nacht oder wenn wir an Land gehen unser Heck. Ein besonders frecher hat uns trotzdem einen nächtlichen Besuch abgestattet und sich zufrieden an Deck niedergelassen. Da hört sich aber die Freundschaft auf. Obwohl diese Tiere viel im Wasser sind, riechen sie recht intensiv und hinterlassen ihre Dreckspuren.

Zusammen mit "Kestrel", "Salsa" und "Anima" unternehmen wir eine Schnorchelausfahrt. Geteilt durch sieben ist der Preis für das Boot erschwinglich. Unser Guide, sicher ein ehemaliger Fischer, zeigt uns die Brutplätze der Blaufußtölpel und die Fregattvögel, die mit ihrem leuchtend roten aufgeblasenen Kehlsack auf Damenbesuch warten. Der beste Schnorchel- und Tauchspot in diesem Gebiet ist ein hoher, auffälliger Felsen im Nordwesten, der "Leon Dormido". Macht euch fertig, meint Flavio locker, da sind die Haie. Ungläubig schauen wir ins Wasser. Also da sollen wir rein? Alleine würden wir das nie tun, aber wenn das hier alle machen... Elegant gleiten die Galapagos-Haie unter uns dahin und würdigen uns kaum eines Blickes. Verrückt ist das, wir schnorcheln mit Haien. Ein Gefühl wie im Film! Fast übersehen wir den Schwarm Barrakudas, die Schildkröte, die bunten Kaiserfische und den farbenprächtigen Bewuchs an der Steilwand. Das Wasser ist an der Oberfläche angenehm warm, kaum tauchen wir ein paar Meter ab, fängt es an zu prickeln. Wir sind begeistert und mit Galapagos wieder versöhnt.

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