Nach meiner Nachtwache von Mitternacht bis drei Uhr früh verkrieche ich mich müde unter die Bettdecke. Kaum ist eine Stunde vergangen, da höre ich die Bodenbretter im Bachbordrumpf knarren. Lois kommt runter und weckt mich. "Wenn du den Äquator nicht verschlafen willst, musst du wieder aufstehen."
Im Salon stehen zwei Gläser und eine Flasche Sekt bereit. Der Fotoapparat ist auf ein kleines Stativ montiert. Lois hat bereits alles für den großen Moment hergerichtet. Am Nachmittag habe ich Weißbrotstangen mit Oliven gebacken, die ich nun in dünne Scheiben geschnitten serviere. Immer wieder werfen wir einen nervösen Blick auf das GPS. Bald ist es so weit. Der Countdown läuft.

Auf der Position 00°00` 88°17`W springt die Anzeige von Nord auf Süd um. Wir haben den Äquator überschritten.
Der Korken knallt. Lois füllt die Sektflöten und hält eine feierliche Ansprache. Neptun sei gedankt für viele schöne und problemlose Seemeilen auf der nördlichen Halbkugel. Er möge uns auch im Süden gewogen bleiben und uns friedliche Winde schicken. Anschließend kippen wir unsere Gläser für den Gott der Meere über Bord.
Lois füllt noch einmal nach. Die Kamera wird auf Selbstauslöser eingestellt. Wir heben die Gläser und - schütten uns den guten Sekt über den Kopf. Sehr erfrischend! Jetzt sind wir wenigstens munter und pitschnass - eben äquatorgetauft.
Beim dritten Anlauf dürfen wir endlich den guten Tropfen auch wirklich trinken. Viel ist nicht mehr übrig. Den zwei müden Seefahrern reicht es trotzdem für ein angenehmes Schwipschen.

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