Tag 17, 3100 km
Blitz und Donner mit heftigem Regen reißen uns in der Nacht auf Montag immer wieder aus dem Schlaf. Te Anau, der touristische Ausgangspunkt für das Fjordland im Südwesten, empfängt uns mit Sonnenschein. Wegen der heftigen Unwetter ist aber die Straße zum Milfordsound gesperrt, erfahren wir im Informationsbüro. Umgestürzte Bäume müssen weggeräumt und das Waldgebiet kontrolliert werden. Also buchen wir vorerst bei "Real Journey" eine Tour über den Te Anau See zu der berühmten Glühwürmchenhöhle. Lässig blättern wir dafür 126,- NZ$ hin (etwa 60,-€).
Ein Guide führt uns durch den niedrigen Höhleneingang, vorbei an einem tosenden Wasserfall, der in einen Whirlpool stürzt. Dieser obere Teil eines langen Höhlensystems ist erst zwölftausend Jahre alt. Tropfsteine gibt es daher noch keine. Nach zweihundert Metern steigen wir in ein kleines Boot und fahren in eine stockdunkle Grotte. An der Decke kleben tausende Glühwürmchen und leuchten wie Sterne. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Finsternis. Ich erkenne die unterschiedliche Leuchtkraft der Tierchen, die davon abhängt, wie hungrig sie sind.
Am Dienstag ist die Straße immer noch gesperrt. Der Himmel ist wolkenverhangen. Wir marschieren als Ersatzprogramm am Manapouri See durch sumpfiges Waldgebiet mit moosbedeckten umgestürzten Baumriesen zu einem Aussichtspunkt. Wolken und Nebel liegen über dem See und den Bergen. Mit den langen Flechten an den Bäumen wirkt die Gegend fast gespenstisch.
Nach heftigem Regen in der Nacht zeigt sich der Mittwoch wieder grau und kalt. Die Straße ist immer noch zu. Wir fahren weiter in südöstlicher Richtung. Es ist zwar schade, aber bei diesem Wetter wäre auch der Milfordsound kein so großartiges Erlebnis gewesen. Nach einer halben Stunde Fahrt scheint die Sonne und die Straße ist staubtrocken. Der Klimaunterschied ist verblüffend. Fast sind wir versucht umzudrehen...

Invercargill, die südlichste Stadt Neuseelands, ist größer als wir erwartet haben. Das Southland Museum nimmt uns einige Zeit gefangen mit interessanten Ausstellungen über die Besiedlung und Geschichte des Landes, die Kunst der Seefahrt und Navigation von Maoris und Polynesiern und die bemerkenswerte Natur auf den abgeschiedenen Inseln im Süden. Wir schlendern anschließend durchs Stadtzentrum, begutachten Wollpullis von 100 Prozent heimischen Schafen und erfahren, dass sie in China gefertigt werden. Darüber sind wir genauso ernüchtert, wie über die Kiwifrucht im Supermarkt, die aus Italien importiert wird.
Die Nacht verbringen wir auf der Halbinsel Bluff 30 km südlich von Invercargill. Der Regen hat uns eingeholt und trommelt aufs Autodach und böiger Wind rüttelt an unserem Jimmy. Ich kann nicht schlafen und zähle im Geiste die Schafe, die in den vergangenen Tagen auf grünen Hügeln und weiten Ebenen an uns vorbeigezogen sind. Das soll ja angeblich helfen.

Im Eilzugstempo fahren wir die Südküste entlang und halten nur zum Tanken und Mittagessen. Ein Abstecher zur Curio Bay lässt erahnen, wie schön die Gegend bei Sonnenschein sein könnte. Wir ziehen die Kapuze fest über den Kopf und kämpfen gegen den rauhen Südwind.
Dunedin, die viertgrößte Stadt Neuseelands, lassen wir vorerst links liegen und suchen die Straße zur östlich vorgelagerten "Otago Peninsula". Ein tolles Panorama bietet die hügelige Halbinsel auf der Fahrt über die "High-Cliff-Road" zum "Taiaora Head". Auf der exponierten und windigen Inselspitze nisten die seltenen Königsalbatrosse. Die eleganten Vögel mit ihren bis zu drei Metern Spannweite ziehen scheinbar ohne Flügelschlag über unseren Köpfen ihre Kreise. Wir sind fasziniert.
Am Abend warten wir am nahegelegenen Strand auf das nächste Schauspiel. Nach Sonnenuntergang sollen Blaupinguine hierher vom Fischen zurückkommen. Gemeinsam mit einem freiwilligen Mitarbeiter des DOC und anderen Naturliebhabern starren wir gebannt auf die Wasseroberfläche. "Da, da sind welche!" Plötzlich stehen die kleinen Wichte am Sandstrand. Nur 25 cm groß ist diese kleinste Pinguinart der Welt. Regungslos verharren sie einige Zeit und spüren deutlich unsere Anwesenheit. Schließlich watscheln sie auf die Stufen am Ufer zu, überqueren zwischen unseren Füßen die Wiese, um ihre Jungen, die fiepsend auf ihre Rückkehr warten, mit frischem Fisch zu versorgen.

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