Die Fidschigewässer sind gespickt mit Riffen. Nach Möglichkeit segeln wir daher nur bei gutem Licht und mit der Sonne im Rücken von einem Ankerplatz zum nächsten. "Eyeball Navigation" ist angesagt, da auch die elektronischen Seekarten teilweise meilenweit daneben liegen. Zwischen Vanua Levu und der Insel Rabi (wird gesprochen: Rambi) ändert sich die Wasserfarbe plötzlich von dunkelblau zu braun. Höchste Alarmstufe! Eigentlich sollte die Untiefe westlich von uns sein. Zum Glück sind wir mit Motor unterwegs und können rechtzeitig den Retourgang einlegen. Kleiner Adrenalinschub - nichts passiert!

Wunderbar geschützt liegen wir in der Albert Cove im Norden von Rabi. Am Sandstrand stehen ein paar Hütten aus Palmengeflecht. Ein älterer Herr winkt zur Begrüßung und freut sich offensichtlich über unseren Besuch. Malau zeigt uns, wo bis zum Hurrikan im März sein Haus gestanden ist und bietet uns in seiner neuen Unterkunft einen Platz an. Rundherum hat er Auberginen, Kumara(Süßkartoffel),Taro, Kassawa, Popo und Tapioka gepflanzt. Dazu gibt es Kokosnüsse im Überfluss und manchmal ein Fischlein. Hühner und Schweine laufen auch herum. Was braucht der Mensch mehr? Seine Frau hat er ins nächste Dorf geschickt. Straße gibt es dorthin keine. Sie wird erst in drei Tagen zurückkommen und hoffentlich etwas Tabak mitbringen. Damit können wir leider nicht dienen. Als Dank für die herrlichen Trinknüsse revanchieren wir uns mit Angelhaken, Zucker, Kaffee und österreichischem Brot aus der Bordbackstube.
Weithin sichtbar steht eine große Kirche auf einem Hügel am Eingang zur Katherine Bay im Süden von Rabi. Der kleine Ort liegt versteckt hinter dichten Mangroven und ist bei der Ansteuerung von See aus nicht zu erkennen. Am Sonntag suchen wir uns eine geeignete Stelle zum Anlanden mit dem Dingi und schlendern vorbei an bunten Häusern Richtung Kirche. Unser "Bula" wird zwar freundlich erwidert, ansonsten haben wir aber eher den Eindruck, wir werden ignoriert. Das große Kirchengebäude entpuppt sich aus der Nähe als sehr baufällig. Das Wellblechdach liegt großteils daneben auf der Wiese, der Verputz blättert ab und klappernde Fensterläden geben Einblick in den leeren Innenraum. Die Sonntagsmesse wird im kleinen Nebengebäude gefeiert, in dem sich nach und nach Männer, Frauen und viele Kinder auf geflochtenen Matten am Boden niederlassen. Auch wir ziehen die Schuhe aus und suchen uns einen Platz. Der Priester dieser Methodistengemeinde trägt, für uns ungewohnt, eine weiße Jacke und einen Rock. Wir staunen nicht schlecht, als er nach einem mitreißenden, lautstarken Gesang auf uns zukommt und sich zu uns auf die Matte setzt. Er begrüßt uns herzlich und bittet uns um einen Gefallen. Für die Kinder wäre es interessant zu hören, woher wir kommen und was wir auf unserer Reise erlebt haben. Ich kann es kaum glauben. Eben erst sind wir in einer unbekannten Bucht vor Anker gegangen, und schon stehe ich vor einer Kinderschar, die mich aus dunklen Augen neugierig mustert. Ich erzähle von Bergen und Schnee in Österreich, von weiten Ozeanen und wie schön es ist, an einem fremden Ort so freundlich empfangen zu werden. Nach der Messe schütteln wir noch viele Hände. Die Menschen sind nach der anfänglichen Zurückhaltung doch sehr an uns interessiert. Ein junges Mädchen berichtet über die bewegte Geschichte der Bewohner von Rabi, die 1945 aus politischen und wirtschaftlichen Gründen von der zu Kiribati gehörenden Insel Banaba ausgesiedelt wurden. Josephine hat in der Schule schon viel über Geschichte gelernt und bringt mich mit ihrer Frage nach der früheren Entwicklung in Europa beinahe in Verlegenheit. Sie erwartet von uns Fakten und will keinen belanglosen Smalltalk führen.

Taveuni wurde zur Jahrtausendwende öfter erwähnt. Der 180-Grad-Meridian verläuft quer über die Insel und auch wir möchten die Möglichkeit wahrnehmen, trockenen Fußes vom Heute ins Morgen zu kommen. Auf Schusters Rappen marschieren wir von Somosomo nach Wayevo und suchen nach einem Hinweis für die internationale Datumsgrenze. Nach mehrmaligem Nachfragen werden wir schließlich in der hintersten Ecke eines Fußballplatzes fündig. Eine Karte von Taveuni, die in der Mitte geteilt ist, markiert den denkwürdigen Ort.
Einen Tag lang erkunden wir mit "unserem Chauffeur" Kali die Insel. Das kostet nicht mehr als ein Leihauto und bringt allerlei Informationen zusätzlich. Auf der holprigen Schotterstraße fahren wir in den Süden, vorbei am gepflegten Anwesen eines Amerikaners und an einfachen Dörfern, durch unendliche Palmenplantagen und halten schließlich am Blow Hole, wo das Wasser wie eine Fontäne hochschießt und die Gischt Kalis schönen Pickup mit Salz überzieht. Uns kommen fast die Tränen. Warum muss er auch so weit hinausfahren? An den Sandstränden im Norden haben sich die Touristenresorts angesiedelt. Danach fallen uns eigenartige Zeltlager am Ufer auf. In großen Töpfen wird am offenen Feuer etwas gekocht. Es sind Raupen, die hier im Meer gesammelt werden. Nach dem Kochen werden sie getrocknet und als Spezialität an Chinesen verkauft. Mahlzeit! Recht appetitlich schaut das nicht aus.
Am Abend möchte Kali gerne mit aufs Boot kommen. Er holt noch seinen Freund Simal samt Fotoapparat ab. Beide waren noch nie auf einem Segelboot. Sie posieren an Deck und vor den Navigationsgeräten und nehmen als Beweis, dass sie wirklich an Bord waren, sogar ihre leeren neuseeländischen Bierdosen mit. Uns war gar nicht bewusst, welchen Eindruck wir mit Felix in Fidschi machen.
Für den nächsten Abend schlagen die beiden vor, auf der "Yacht" eine Kavaparty zu feiern. Von mir aus, warum nicht? Zwei Stunden später als vereinbart erscheinen sie mit allen nötigen Utensilien. Das Pulver aus getrockneten und gemahlenen Kavawurzeln wird mit Wasser übergossen und durch ein feines Tuch ausgepresst. Kali schöpft die hellbraune, trübe Flüssigkeit mit einer kleinen Schale aus der Schüssel. Wir klatschen zwei mal in die hohle Hand, trinken den Kava in einem Zug aus, danach klatscht Kali drei mal. Das Zeug schmeckt...na ja...also...es geht so..., und macht die Zunge leicht taub. Die Kavazeremonie verläuft nach alter Fidschi-Tradition absolut feierlich und beeindruckend. Auf einem Boot war das wahrscheinlich eine Premiere.

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