Nein, wir haben keine Leoparden gesehen und Löwen nur einmal ziemlich weit weg.
Ja, es war ein großartiges Erlebnis! So viele Tiere in der freien Natur, unglaublich!

Wir haben nur eine vage Vorstellung vom Begriff SAFARI. Zusammen mit Thomas, Sonja und Keanu beladen wir unser Leihauto bis obenhin und fahren von Richardsbay über Mtubatuba etwa 2 Stunden nach Norden. Unser Häuschen im Hilltop Resort können wir erst am Nachmittag beziehen, drum passieren wir erst gegen 4 Uhr das Gate zum Hluhluwe (gespr.: Schluschluwe) Game Reserve.

Kaum sind wir im Gelände, stehen schon die ersten Nashörner neben der Straße, noch dazu eine Mama mit Baby. Das hätten wir nicht erwartet. Die Fotoapparate klicken wie verrückt. Auf den wenigen Kilometern zu unserem Quartier kommen uns noch Wasserbüffel entgegen. Mit ihren Hörnern, die einer Fönfrisur mit zu viel Festiger gleicht und ihrem treuherzigen Blick  wirken diese bulligen Tiere etwas verschlafen.
Der Eingang zur Hotelanlage ist mit Elektrozaun und Gitterrost gesichert, um die Wildtiere fernzuhalten. Unsere Lodge mit zwei Schlafzimmern, 2 Bädern, einer großen Wohnküche und Terrasse ist zwar nicht mehr ganz neu aber recht gemütlich. Aus der Leitung kommt teilweise braunes Wasser. Bei der seit 2 Jahren herrschenden Dürre sind wir aber froh, überhaupt duschen zu können. Trinkwasser haben wir vorsorglich selbst mitgenommen.
Am nächsten Morgen sitzen wir schon kurz nach 5 Uhr im Auto. Die Sonne geht gerade auf und auch die Tiere sind angeblich um diese Zeit besonders aktiv. Von unserem Hügel haben wir einen schönen Blick über das weite Land, Steppe, Hügel und große Flüsse, die sich aus der Nähe aber in ausgetrocknete Sandflächen verwandeln.  Angestrengt halten wir Ausschau, ob sich hinter den dürren Büschen oder im Gras etwas bewegt. Auch Keanu ist inzwischen voll dabei, nachdem er genüsslich seine Flasche getrunken hat. Der erste Elefant zeigt sich in der Ferne. Hoch oben in den Bäumen taucht ein Giraffenkopf auf, die langen Beine und den kräftigen, gefleckten Körper mit dem schwarzen Quastenschwanz entdecken wir erst später. Zebras kreuzen die Straße, immer korrekt gestylt mit ihrer Stehmähne und der markanten Zeichnung. Ein Nyala-Bock lugt durchs Gebüsch, einige Wasserbüffel, eine muntere Pavianfamilie, bunte, blitzblaue und gelbe Vöglein und darüber Adler und Geier, die ihre Kreise ziehen. Äußerst zufrieden fahren wir zurück ins Resort und stärken uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet.
Heute brechen wir erst nach der Mittagsjause zur nächsten Tour auf. Im Schneckentempo bewegen wir uns auf den teilweise mit Schlaglöchern gespickten Asphaltstraßen und meist sehr guten Sandstraßen, um ja nichts zu übersehen. Langsam wird unser Blick immer besser und abwechselnd schreit jemand "Stopp, zurück, da...!" Eine Herde Impalas, zierlich wie unsere Rehe, ein Gnu, ein Hagedasch-Ibis, ein Nashorn, zwei Elefanten, die mit dem Rüssel ganze Äste von einem Baum brechen - die Tiere in der Wildnis beobachten zu können ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Bis zum späten Abend durchqueren wir das Reservat und erleben auf der Heimfahrt ein gewaltiges Gewitter mit pausenlos zuckenden Blitzen und Donnergrollen. Uns bleibt vor dem Abendessen nicht einmal mehr Zeit zum Umziehen oder Duschen. Nach einem beeindruckenden Tag machen wir uns hungrig über das ausgezeichnete Buffet her und lassen ein kühles "Carling Black Label" durch die durstigen Kehlen zischen.
Eine Safari ist kein Erholungsurlaub. Jeden Tag läutet der Wecker um halb Fünf. Wir kommen nur zum Frühstück zurück ins Hotel. Mitgebrachte Jausenbrote und Kaffee lassen wir uns zu Mittag auf einem Picknickplatz schmecken. So haben wir einen größeren Aktionsradius und können auch die Ebenen im iMfolozi-Park erforschen. Besonders am Nachmittag und Abend haben wir viele unvergessliche Begegnungen. Eine riesige Elefantenherde mit vielen kleinen Jumbos zeigt sich im ausgetrockneten Flussbett. Wasserbüffel ziehen vor uns quer über die Straße auf der Suche nach frischem Gras, andere versammeln sich an einem der letzten Wassertümpel im Fluss. Ein Elefantenbulle mitten auf der Straße läßt uns erst mal den Rückgang einlegen. Er wirkt etwas nervös, was man an seinen Ohren ablesen kann. Eine Fleckenhyäne nähert sich und trägt nicht gerade zu seiner Beruhigung bei.  Zwei weitere Bullen tauchen neben uns im Dickicht auf. Wir beobachten diese mächtigen Geschöpfe mit Interesse und großem Respekt, zu spaßen ist mit ihnen nicht unbedingt. Schließlich wendet sich unser nervöser Freund nach rechts und beginnt, wie die beiden anderen, Äste und Blätter von den Sträuchern zu rupfen. Vorsichtig fahren wir weiter.
Am fünften und letzten Tag unserer Safari treffen wir uns mit einem Ranger und sechs weiteren Gästen zum frühmorgendlichen Bushwalk. Da wir ansonsten das Auto nur an gekennzeichneten Picknickplätzen oder Aussichtspunkten verlassen dürfen, ist dieser zweistündige Marsch eine interessante Abwechslung. Außer zwitschernden Vögeln und schillernden Mistkäfern in Dunghaufen zeigen sich leider keine Tiere. Der Ranger ist mit einem Gewehr und Patronengurt beeindruckend ausgerüstet, hat seine Waffe aber noch nie verwenden müssen. Er erklärt uns Fußspuren, erzählt über Revierkämpfe im Tierreich und zeigt uns heilkräftige Pflanzen. Vor allem will er das Bewusstsein für die Natur fördern und aufzeigen, was man alles daraus lernen kann - was uns nicht wirklich neu ist.

Zum Abschluss einer wunderschönen Woche gönnen wir uns in der Marina ein Abendessen im "Porkys Restaurant". Bei Pizza, Steak und kühlem Bier sind wir in Gedanken bei den unvergesslichen Begegnungen der vergangenen Tage. Es beginnt zu nieseln und vereinzelt zucken Blitze. Darum beeilen wir uns, zurück aufs Boot zu kommen. Die Stege sind nass, uneben und wackelig. Sonja geht voraus, dahinter Thomas mit Keanu am Arm, dann Lois und ich. Wir biegen auf unseren Steg ein, als eines der Segelboote quer darüber kracht. Thomas schreit "zurück" und drückt mir Keanu in den Arm. Lois kann sich gerade noch vor dem Bug in Sicherheit bringen und Sonja rettet sich auf einen gegenüberliegenden Finger. Erst jetzt sehe ich das hellerleuchte Pilotboot, das im Begriff ist, den ganzen Steg zu rammen. Thomas und Sonja schreien so laut sie können und versuchen die Mannschaft zu arlarmieren, aber es ist niemand zu sehen. Schließlich springen Thomas und noch ein weiterer Segler rüber aufs Pilotboot um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Es gibt anscheinend irgendwelche Motorprobleme, keiner hat nach draußen geschaut und gemerkt, was passiert. Ich stehe mit Keanu am Steg, weiß nicht, was weiter vorne los ist und ob auch unsere Boote beschädigt sind. Es regnet leicht und blitzt und donnert, verrückt!!! Eine Seglerin bittet uns an Bord, aber Keanu will auf keinen Fall von mir weg. Da kommt Kerstin von SY Lop To, die er sehr gut kennt. Bei ihr kann ich ihn beruhigt lassen und endlich nachschauen gehen. Das schwere Boot bewegt sich immer noch auf den Steg zu und treibt in unsere Richtung. Wir können nur hoffen ... endlich stellen sie den Motor ab und der Wind treibt den verflixten Kutter weg von uns. Bei dem ganzen Tumult sind "nur" der Steg und zwei Boote beschädigt worden. Unsere Freunde von "Sea Bunny" hat es nach dem gewaltigen Sturm Anfang November zum zweiten mal getroffen. Wir sind zum Glück mit dem Schrecken davongekommen.      
            

 

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