Ich mag es gerne, wenn wir in fremden Ländern mit den dort lebenden Menschen in Kontakt kommen. Dass ich allerdings drei Wochen lang jeweils Montag und Donnerstag meine Zahnärztin besuche und wir beide fast traurig sind, als die Wurzelbehandlung abgeschlossen ist, das hätte ich nicht erwartet. So haben meine Zahnschmerzen auch ihre positiven Seiten gehabt und wir verabschieden uns wie gute Freundinnen.

 

Zehn Tage ankern wir in Grand Baie, einer weiten, geschützten Bucht im Nordwesten von Mauritius. Mit dem Expressbus kann ich sehr günstig in die Hauptstadt fahren zu meinen Zahnarztterminen. Alle touristischen Annehmlichkeiten sind in Reichweite, einschließlich eines riesigen Supermarktes, wo wir unsere Bordvorräte auffüllen. Die gesamte Seglerflotte ist von Port Louis nach Grand Baie übersiedelt und trifft sich dann und wann im Yacht Club zum Mittagessen oder zu einer feuchtfröhlichen Geburtstagsparty auf SY Papillon.

Die langen Sandstrände von Mauritius sind nur an wenigen "Public Beaches" zugängig. Eigentlich wollte ich von Grand Baie einen ausgiebigen Strandspaziergang nach Cap Malheureux machen, stehe aber bald vor einer meterhohen Mauer. In den zahlreichen Hotelanlagen wollen die Gäste unter sich bleiben. Einige Kilometer trabe ich also entlang er Straße, bis ich wieder einen Pfad zum Strand finde. Entlang der Hochwasserlinie darf ich an den Strandhäusern und Villen von "Reich und Schön" vorbeispazieren, die mit dezenten Hinweisschildern "terrain privé" Eindringlinge fernhalten. Neidisch bin ich aber nicht, denn unsere schwimmende Villa ist nicht ortsgebunden.

Der botanische Garten von Pamplemousse ist weltberühmt und mit seinen uralten Bäumen (200-250 Jahre sind zumindest relativ alt), unzähligen veschiedenen Palmenarten, Gewürzpflanzen und Gewächsen aus vielen tropischen Ländern unbedingt einen Besuch wert. Bunte Vöglein zwitschern in den Zweigen und Flughunde schweben über uns. Die eigentliche Attraktion sind Wasserlilien mit ihren wagenradgroßen Blättern und edle weiße Lotusblüten. Auch das vor einigen hundert Jahren aus Java eingeführte Wild und Elefantenschildkröten sind zu bewundern, allerdings in traurig kleinen Gehegen.

Bei der anschließenden Kaffeerast entdecken wir im Shop nebenan die originalgetreuen Nachbildungen von historischen Schiffen, für die Mauritius berühmt ist. Mit viel Geduld und liebe zum Detail werden in monatelanger Arbeit die Modelle maßstabgetreu gefertigt. Wir sind fasziniert und bestaunen klassische Kriegs- und Segelschiffe von der Santa Maria bis zur Endeavour.

Wenn das Wetter passt, werden wir am Montag von Mauritius ausklarieren und weitersegeln Richtung Madagaskar. Dazu müssen wir zurück in den Hafen von Port Louis, wo wir uns am Markt auch noch mit frischem Obst und Gemüse versorgen wollen. Vorher gönnen wir uns noch eine Nacht vor Anker bei Mont Choisy, wo es angeblich sehr ruhig sein soll. Zu unserer Überraschung ist der Strand gefüllt mit einer bunten Menschenmenge, stundenlanger Gesang und Trommelwirbel zehren an unseren Nerven. Schließlich steigen wir ins Dingi und schauen uns den Auflauf aus der Nähe an. Die Hindus feiern das Fest "Ganesh Chaturthi". Dem Elefantengott Ganesh werden allerlei Geheimnisse ins Ohr geflüstert, danach wird die kleine Statue ins Meer getragen und mit Blumenkränzen und anderen Gaben versenkt. Das Fest findet seinen Abschluss in einem gemeinsamen Abendessen mit Briani (Reis mit Gemüse und Gewürzen) und Cola. Danach sind Wald und Strand übersät mit Plastikbechern und Papier...

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