An der Kaimauer der sogenannten "Marina" von Port Louis ist es nicht wirklich romantisch. Der dröhnende Lärm der großen Frachter, die ihre Ladung löschen, heulende Polizeisirenen und nächtliche Musikberieselung zehrt an den Nerven. Die Stadtnähe hat aber auch ihre guten Seiten. Der Markt ist gleich um die Ecke und bietet ein überreiches Angebot an Obst, Gemüse und wohlriechenden Gewürzen. Auf der Straße davor wird lautstark allerlei Billigware angeboten. In dem Gedränge habe ich eine Hand immer auf meiner Umhängetasche. Leute, die es wissen sollten, haben uns vor Langfingern gewarnt. Zum Mittagessen gehen wir gerne ins Restaurant neben der Windmühle gegenüber der modernen, touristischen "Caudan Waterfront". Kaum jemand verirrt sich hierher, die Bedienung ist freundlich und das Essen gut und relativ günstig.

 

Der eigentliche Grund, warum wir immer noch in dem lauten, dreckigen Hafen sind, ist natürlich mein Zahnproblem. Morgen Vormittag habe ich wieder einen Termin bei meiner äußerst netten Zahnärztin, die mir Rashid, Taxler und zuständig für alle Anliegen der Segler, empfohlen hat. Dr. Boodhoo habe ich nicht wirklich vertraut, weder seiner Art noch den hygienischen Bedingungen. Wenn meine Wurzelbehandlung abgeschlossen ist und der Zahn hoffentlich Ruhe gibt, machen wir uns auf die Suche nach einem ruhigeren Plätzchen auf Mauritius.

Jeden Samstag gibt es für viele Bewohner von Port Louis einen Pflichttermin, das Pferderennen im altehrwürdigen "Mauritius Turf Club", gegründet 1812. Lori von der SY Apogee hat für die Segler einen Kleinbus organisiert mitsamt Guide. Wir werfen uns in Schale, Zahnschmerzen hin oder her, und verbringen einen aufregenden Nachmittag an der Pferderennbahn. Es wird begeistert gewettet und enthusiastisch gejubelt, wenn das richtige Pferd als erstes über die Ziellinie geht. Sogar der Manager des Clubs empfängt die Seglerrunde in seinem Büro und verschafft uns Zutritt zum Balkon und zur Kommandozentrale. Mit dem unbestechlichen Fotofinish wird milimetergenau der Sieger in jedem einzelnen Rennen ermittelt.

Um für einen Tag dem Großstadtlärm zu entkommen, nehmen wir uns ein Leihauto und erkunden den Südwesten der Insel. Auf dem Motorway fahren wir bis Curepipe, der drittgrößten Stadt, und finden dank Navigation am Handy durch die vielen Gassen zum "Trou aux Cerfs". Umgeben von üppiger Vegetation gibt der kleine Kratersee, etwa 600 m über dem Meer gelegen, Zeugnis der vulkanischen Entstehung von Mauritius. Wir spazieren rundherum und genießen trotz des trüben Wetters den schönen Ausblick über die Stadt und zu den umliegenden Bergen.

Am "Grand Bassin" besuchen wir die berühmte Kultstätte der Hindus, bevor wir in einem zwar sündteuren, aber traumhaft gelegenen Restaurant eine angenehme Mittagspause verbringen. Die Straße nach Westen führt durch die Plaine Chamarel. Die gleichnamige Rumbrennerei, vor sieben Jahren gegründet, ist ein wunderschönes Anwesen, das vor allem beste Qualität des edlen Gebräus aus dem Saft des Zuckerrohres erzeugt, nicht wie sonst üblich aus der Maische. In einer interessanten Führung wird uns von der Anlieferung des grünen oder roten Zuckerrohres das Verfahren bis zum aromatischen Endprodukt erklärt. Bei der Verkostung am Schluss kann ich leider nur riechen und Lois nippt vorsichtig. Schließlich sollten wir auch noch unbeschadet heimkommen.

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