Anker auf am frühen Morgen von St. Pierre. Der Abschied fällt uns leicht. Wir segeln von Martinique weiter Richtung Norden nach Dominica. Der gewaltige Vulkan Pelée hat sein Haupt in dicke Wolken gehüllt. 1902 sind bei seinem Ausbruch, mit Ausnahme eines Häftlings hinter dicken Gefängnismauern, alle 30.000 Einwohner des Ortes ums Leben gekommen.
Wie gewohnt war bei unserer Ankunft vor zwei Tagen der Ankerplatz vor St. Pierre im Nordwesten von Martinique dicht mit Segelbooten belegt. Wir möchten niemandem in die Quere kommen und ankern daher ganz im Süden vor den Fischerhütten. Gut gelaunt springen wir um zwölf Uhr ins Dingi, schauen kurz bei unseren Freunden von der Shalimardue vorbei und suchen uns an Land das Internetcafe, wo auch die Zoll- und Ausklarierungsformalitäten erledigt werden. Bei einer guten Tasse Espresso füllen wir am Computer das Formular aus, stärken uns anschließend in einer netten Pizzeria, besuchen das Museum mit anschaulichen Exponaten vom Vulkanausbruch und drehen noch eine Runde im Ort.

Nach etwa drei Stunden sind wir wieder zurück am Boot. Puh, heiß ist es hier drinnen! Ich öffne die Luken im Salon und gehe nach unten, um auch unsere Schlafkabine zu lüften. Was ist da los? Der Fußboden ist ganz nass, ist doch alles zu!? Wie vom Blitz getroffen merke ich, mein Laptop ist weg. "Da war jemand am Boot!" Alarmiert durch meinen Aufschrei bemerkt auch Lois die Bescherung. Wo normal die Fotoausrüstung steht herrscht ebenfalls gähnende Leere. Sch....!!! Eine schnelle Bestandsaufnahme zeigt, der ungebetene Gast hat zum Glück einige wichtige Dinge nicht gefunden. In der Steuerbordtoilette liegen unsere Müllsäcke am Boden. Der Eindringling hat sein Diebsgut damit wasserdicht verpackt und ist durch die große Luke im Bad wieder ausgestiegen.
Wir düsen in die Stadt zur Gendarmerie. "Cést la premiere fois", sowas hat es hier noch nie gegeben, meinen die Beamten ganz erstaunt. Ich aktiviere mein ganzes Schulfranzösich und nehme mit einem Gendarmen das Protokoll auf. Lois fährt inzwischen mit seinem Kollegen aufs Boot, um nach verwertbaren Spuren zu suchen.
Am nächsten Morgen höre ich mich bei den Fischern um. "Das ist das erste mal hier", bekomme ich wieder zu hören. Keiner hat etwas gesehen, in St. Pierre wohnen nur gute Leute. Ich versuche möglichst viele Segler von unserem Malheur zu informieren, damit sie gewarnt sind. Wir kommen dadurch mit mehr Leuten ins Gespräch als auf unserer gesamten bisherigen Reise. Ursula und Michael von der "Kril" bieten uns ihre Hilfe als Dolmetscher an. Die beiden Deutschen sind langjährige Segler, die einige Jahre in Frankreich gewohnt haben. Als Standbein an Land haben sie sich dort ein kleines Haus gekauft. Vor drei Wochen mussten sie erfahren, dass ihr Heim durch böswillige Brandstiftung abgebrannt ist. Es passieren also auch anderen schlimme Dinge. Kummer verbindet! Gemeinsam spazieren wir nochmals ins Internet-Café. "So etwas ist hier noch nie passiert", bestätigt uns auch die Dame hinter der Theke. Darüber ist man sich in St. Pierre also einig. Nur uns hilft das leider wenig. Wir sind echt betroffen, dass jemand Felix zum Selbstbedienungsladen erklärt und sich an der Kasse vorbeigeschummelt hat.

In Martinique befinden wir uns auf französichem Territorium. Die Insel hat einen wesentlich höheren Standard als die südlichen Nachbarinseln. Wir haben schöne Tage hier verbracht und vor allem unsere Freunde Maria und Michael von der Shalimardue wieder getroffen. Seit Gibraltar sind wir mit den beiden immer wieder in Verbindung, haben zur selben Zeit den Atlantik überquert und uns über Sail-mail bei Laune gehalten. Der Zufall will es, dass wir uns genau zu Marias Geburtstag wiederfinden. Das gute Abendessen im Restaurant, zu dem sie uns einladen, findet einen feuchtfröhlichen Ausklang bei ihnen an Bord. Jetzt weiß ich endlich, wie ein Ti-Punch schmeckt! .. und das mitten in der Fastenzeit, wo ich eigentlich keinen Alkohol trinke.

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