Ein Mastenwald empfängt uns am Nachmittag in der riesigen Bucht von Le Marin. Suchend kurven wir durch das Feld der Ankerlieger, bis wir auch für Felix ein Plätzchen finden und nach dieser schaukeligen Überfahrt von St. Lucia nach Martinique vor Anker gehen können.
Romantische Wasserfälle in tropischer Landschaft, Fischerdörfer mit armseligen Häusern und fröhlichen Gesichtern, Villen in bester Lage mit dicken Autos und Alarmanlage - wieder haben wir eine der zahlreichen karibischen Inseln hinter uns gelassen. Die Bewohner von St. Lucia sind stolz auf "Petit und Gros Piton", zwei hochaufragende Felskegel im Südwesten, die auch in der Flagge der Insel dargestellt sind. Einer der schönsten Ankerplätze liegt zwischen den beiden Wahrzeichen. Mag sein, wir steuern vorerst das Städtchen Soufriere an und werden schon einige Meilen vor der Küste von einem anhänglichen Bootsboy empfangen. "Danke, wir finden schon unseren Weg." Bei strömendem Regen nehmen wir Kurs auf die Hummingbird Bay im Norden der Stadt, machen den Anker klar und suchen uns eine Palme für unsere Landfeste. Für freies Ankern fällt der Grund zu steil ab. Angeblich will "Bushman" der Bootsboy ganz umsonst unsere Leine festmachen. Das können wir natürlich nicht glauben. Wir geben ihm 10,- EC und zwei Bier und er scheint zufrieden zu sein. Anschließend bringt er uns mit seinem Taxiboot in die Stadt zum Einklarieren und auch wieder zurück. Gerne möchten wir vorher einen Preis ausmachen. Weißen Leuten verrechnet er doch nichts, meint er nur. Wer`s glaubt! Lois zückt 5,-EC. "Pah, das ist nichts, behalte es. Gib mir 30,-. Benzin ist teuer!" Ja sicher, für den Hupfer. Schließlich nimmt er gnädig 15,- EC und ist schwer beleidigt.
Zu Fuß erkunden wir die Gegend um Soufriere und wehren leicht genervt die zahlreichen Angebote diverser Guides ab. Sobald wir das Dingi zu Wasser lassen, tauchen sie wie aus dem Nichts am Strand auf. Sicher, jeder will etwas verdienen. Aber ich möchte gerne selbst entscheiden, wann und wem ich mein Geld gebe.

Wir ersparen uns weitere Diskussionen mit Bootboys bei den berühmten Pitons und planen unseren nächsten Stopp in einer einsamen Bucht an der Westküste von St. Lucia. Das Gebiet zwischen Marigot Bay und den Pitons wurde vor einiger Zeit zum Marine Park erklärt um die Korallen zu schützen. Ankern ist daher verboten und wir machen, wieder mit Hilfe eines Boys, an einer Boje fest.
Nach Sonnenuntergang schlüpfen wir in den Neoprenanzug, schnallen uns die Tauchflasche um und springen ins dunkle Wasser. Der Lichtkegel unserer Lampe erhellt einen kleinen Teil der nächtlichen Unterwasserwelt. Papageifische schlafen unter Korallenblöcken, beeindruckende Korb- und Krustenschwämme leuchten in bunten Farben und wunderschöne gefleckte Langusten beäugen uns argwöhnisch. Keine Angst, ihr gefällt uns hier viel besser als im Kochtopf. Ein Blick auf den Kompass zeigt uns den Weg zurück zum Boot. Vom Riff gleiten wir langsam über zartes Seegras und schließlich über Sandboden. Hier müssten wir richtig sein. Plötzlich schrecke ich auf und beeile mich, weiter vom Boden wegzukommen. Kaum einen Meter neben mir liegt ein ansehnlicher Stachelrochen im Sand. Entschuldigung, wollte dich nicht stören! Majestätisch entschwebt er in die Dunkelheit.
Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch. "Marine Ranger", stellt sich der junge Mann mit sehr ernstem Blick vor. Ich wünsche freundlich einen guten Morgen. Unsere Tauchausrüstung, die im Cockpit zum Trocknen hängt, hat ihn auf uns aufmerksam gemacht. Tauchen ist hier nur mit Guide erlaubt. Das haben wir wohl gelesen, wir sind aber sowieso darauf bedacht, nichts kaputt zu machen. 5.000,- EC Strafe müssen wir bezahlen, wenn wir alleine abtauchen. Ich lasse mich von seiner gespielten Amtsmiene nicht erschrecken. Unser schöner Nachttauchgang vom Vorabend bleibt mein Geheimnis, und die Ausrüstung auszulüften ist ja nicht verboten. Schließlich entschlüpft dem Herrn Ranger sogar ein Lächeln. Im Grunde ist er ganz nett, macht doch auch nur seine Arbeit.

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