Das könnte sie sein, unsere Bucht, wo wir einige Tage schnorcheln, tauchen und uns an Land die Füße vertreten wollen. Zwei Segler liegen bereits vor Anker. Am schwarzen Lavastrand stehen Mandelbäume und hinter niedrigen Kokospalmen versteckt sich ein kleines Haus, vielleicht eine Bar. Wir bringen Bug- und Heckanker aus, damit wir unserem Bootsnachbarn nicht zu nahe kommen.
Idyllisch ist die Bucht wirklich, leider hat das vor uns auch schon jemand erkannt. Als wir unser Dingi an Land ziehen und in die Turnschuhe schlüpfen um zu einer Wanderung aufzubrechen , finden wir keinen einzigen Weg, der nicht mit dem wenig einladenden Täfelchen "PRIVAT" markiert wäre. Ein Herr, so schwarz wie der Strand, belehrt uns, dass das ganze Gebiet ein Hotelareal ist und außerdem haben wir zu nahe an den hoteleigenen Bojen geankert. Das heißt im Klartext, wir können hier nicht lange bleiben. Schade!
Nach der gestrigen Anstrengung hätten wir uns schon einen ruhigen Sonntag verdient. Mit dem allgemein üblichen Verkehrsmittel, einem 9-sitzigen Bus, in den locker-lässig zwanzig Personen hineingepfercht werden, fahren wir nach Arnos Vale in der Nähe des Flughafens. Bei "Rent and Drive" rufen wir "Stop here please", bezahlen zwei EC und wollen ein Auto mieten. Falsch gedacht! Zum ersten mal haben wir Probleme mit unserer Kreditkarte. Die Tagesmiete könnten wir ja bar bezahlen aber nicht die 2500,-EC Kaution. Die Dame ist sehr nett, sie kann uns aber auf keinen Fall den Wagen ohne Sicherstellung überlassen. Na dann eben nicht!
"Wollt ihr in die Stadt?" Ein junger Mann hat unser Dilemma mitbekommen. "Ja bitte, das wäre nett." Ganz beiläufig bietet er daraufhin an, uns auf der Insel herumzufahren wohin wir wollen. Er hat Zeit und bezahlen sollen wir, was wir für richtig halten - from our heart. Wir überlegen kurz, werfen einen prüfenden Blick auf den Herrn und sein Auto, scheinen beide ganz o.k. zu sein. Also abgemacht!
Er steuert als erstes eine Reifenwerkstätte an, muss an seinem Reserverad und links hinten "neue" Reifen montieren lassen. Bei uns würde die Polizei Stielaugen bekommen bei dem, was man in St. Vincent unter Profil versteht. Wir fahren den Leeward Highway im Westen der Insel entlang. Auch Highway ist ein dehnbarer Begriff. Die Schlaglöcher sind gewaltig und erfordern großes fahrerisches Geschick. Das hat unser "Privatchauffeur" offensichtlich und fährt auch recht zivilisiert. Die Straße windet sich bergauf und bergab, durch Dörfer und Siedlungen, die von mitteleuropäischen Vorstellungen ziemlich weit entfernt sind. Vor jeder Kurve wird lautstark gehupt, um den Gegenverkehr zu warnen. Der "Highway" ist nicht wirklich breit.
Gemeinsam mit seinem kleinen Freund erklärt uns unser Fahrer die Gegend und gibt und verschiedene interessante Informationen. Leider ist das Gespräch recht mühsam. Die beiden sprechen nicht unbedingt Schulenglisch und für ihr Wohlbefinden brauchen sie coole Musik - laut natürlich! Wozu hätten sie sonst die tolle Anlage im Auto?
Wir machen Mittagsrast in Wallilabou. 2003 wurde in dieser romantischen Bucht "Piraten der Karibik" gedreht. Die original Filmkulissen führen seither hier ein beschauliches Dasein.
Der Leeward Highway wird immer holpriger, geht nach dem Örtchen Richmond in eine Schotterstraße über und endet vor einem breiten Flußdelta. Weiter nördlich in den Bergen wohnen nur noch die Rastafarians, die - wie uns unsere Guides erzählen - an den Hängen des 1250 Meter hohen Vulkans Soufriere öffentlich ihr Marihuana anbauen.
Es ist heiß. Wir kämpfen mit Müdigkeit und Kopfschmerzen. Bunkern müssten wir auch noch. Unser Freund bringt uns in Kingstown zu einem Supermarkt und ist uns sogar beim Einkaufen behilflich. Was völlig Neues für uns! Vollbepackt klettern wir am Parkplatz der "Barefoot Marina" aus dem Auto. Zum Abschied ziehen wir so viele Scheine aus der Geldtasche, bis sich langsam das Gesicht unseres Fahrers erhellt. So viel zum Thema: es liegt bei uns, wieviel wir geben wollen...

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