Am Montag Nachmittag laufen wir nach einer welligen Überfahrt von Bequia nach St. Vincent in der Calliaqua Bay im Süden der Insel ein. Mein "kleiner" Bruder ist vor zehn Tagen in Grenada an Bord gekommen.

So einige Zeit am Boot zu leben erscheint ihm mittlerweile ganz reizvoll. "Ja, das könnte ich mir recht gut vorstellen", meint er. Helmut hat auf seinem ersten Segelurlaub viele Höhen und Tiefen des Bordlebens kennengelernt. Bei fast dreißig Knoten Wind gegenan zu kreuzen ist für uns alle eine echte Herausforderung. Tapfer konzentriert er sich auf den Horizont und atmet tief durch. Im Cockpit an der frischen Luft funktioniert das prima, der Besuch auf der Toilette wäre ihm aber bald zum Verhängnis geworden.
Ruhetage wie etwa in den Tobago Cays mit türkisblauem Wasser, Inselchen mit Kokospalmen und weißem Sandstrand, na und vor allem mit den vielen bunten Fischen, die er beim Schnorcheln entdeckt, entschädigen meinen Bruder für die anstrengende Seglerei. "Eigentlich ist man am Boot immer in Bewegung, dazu die frische Luft. Ist eine gutes Training und eine Abwechslung zum Leben in der Großstadt." Helmut ist begeistert. Er hat seine Segeltauglichkeit bewiesen und fliegt mit vielen neuen Erfahrungen und gesunder Sonnenbräune von St. Vincent zurück nach L.A.


Bojen sind uns suspekt, wir ankern lieber. Der freundliche Herr, der im Schlauchboot auf uns zukommt, will uns davon abbringen. "Erstes mal hier? Hält nicht, Steine, Korallen, nehmt meine Boje. Mache guten Preis. 10,- EC pro Tag statt 15! Lois greift sich Flossen und Maske und kontrolliert den Anker. Er hat sich hinter einem Steinblock verhakt, müsste halten. Wir bringen noch einen zweiten Anker aus und sind zufrieden.
Der gute Mann überredet am nächsten Tag ein finnisches Ehepaar dazu, an seiner Boje festzumachen. Heute Vormittag haben die beiden einen Ausflug nach Kingstown gemacht. Sie sind erst kurz wieder zurück, als Lois bemerkt, wie ihr Boot an uns vorbeitreibt. Ein lauter Pfiff von meinem Käpt`n lässt die beiden mit fragendem Blick an Deck erscheinen, wo sie langsam das Malheur erkennen. Zum Dank für unsere Aufmerksamkeit versuchen sie genau vor uns zu ankern, verwickeln sich in unserer Ankerboje und hätten um ein Haar auch uns losgerissen.
Hat schon was Gutes, dass heute früh so schlechtes Wetter war mit Regen und schwarzen Wolken über den Bergen. Denn eigentlich hätten wir uns ein Auto genommen und damit die Insel erkundet. Möchte gar nicht dran denken!
Ein bisschen komisch sind die Finnen schon. Ohne ein Wort zu sagen braust der Segelfreund nach der ganzen Aufregung mit seinem Schlauchboot an uns vorbei... Kurze Zeit später kommt er mit zwei Flaschen eiskaltem Bier zurück - als Dank und Wiedergutmachung. No Problem!

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