Ende Jänner fahre ich bei gut dreißig Grad mit dem Taxi von Colon nach Panama City zum Flughafen, steige ins Flugzeug und fliege über Amsterdam nach Wien, von wo ich mit dem Zug durch tiefverschneite Winterlandschaft heimfahre.
Die eisige Luft fühlt sich nach der karibischen Hitze sehr scharf an in meinem Gesicht. Ich packe mich warm ein und mache mich mit Eifer daran, die weiße Pracht vor unserem Haus wegzuschaufeln. Nach dem vielen Schweiß der letzten Monate freue ich mich, dass sich Frau Holle extra für meinen Kurzurlaub in Österreich so viel Mühe gegeben hat. Ich nütze die Gelegenheit und gehe auch gleich mit meiner Schwester langlaufen. Kurz zuvor noch barfuß am Sandstrand und dann mit Haube, Anorak und dicken Socken auf der Loipe - der Kontrast könnte nicht größer sein.
Es ist schön, Familie und Freunde wieder zu sehen. Für mich werden die Strapazen allerdings etwas zu viel und mein Körper meldet SOS. Ein Blick in den Spiegel sagt mir, ich gehöre ins Bett. Im Blitztempo versuche ich, meine Grippe auszukurieren, denn schon in wenigen Tagen sitze ich wieder im Flugzeug nach Panama. Gemächlich über die Meere zu segeln ermöglicht es, uns langsam an Zeit- und Klimaveränderung zu gewöhnen. Na und dazwischen jette ich kurz für zwei Wochen nach Hause. Ist eigentlich verrrückt, da muss sich der Organismus ja rächen! Aber keine Angst meine Lieben, wir werden trotzdem immer wieder mal in der Heimat auftauchen.

Heute sollten wir eigentlich feiern. Zehn Tagen bin ich jetzt wieder auf Felix, davon war ich fünf Tage außer Gefecht. Die Grippe hat sich nochmals zurückgemeldet. Seit Montag sind wir jeden Tag unterwegs. Erster Programmpunkt ist der Besuch im Büro der ACP, der "Autoridad de Canal de Panama". Felix wird vermessen, wir bezahlen die Transitgebühr und bekommen einen Termin: Montag, 23. Februar!
Außer dem Kapitän braucht jedes Boot eine Crew von vier Personen zur Bedienung der Leinen. Lois ist, während ich weg war, auf dem österreichischen Boot "Yab Yum" als Linehander mitgefahren. Heinz und Andrea liegen immer noch auf der anderen Kanalseite vor Anker und kommen am Montag mit dem Bus herüber, um uns zu helfen. Nach längerem Suchen hat uns schließlich heute noch Peter vom schweizer Boot "Green Coral" zugesagt. Jetzt ist die Mannschaft komplett.
Tito vom Panama Yacht Club versorgt die Boote mit dekorativen alten Autoreifen, die mit Müllsäcken umwickelt als Fender dienen. Vierzehn Stück liegen an Bord und warten auf ihren Einsatz.
Jeden Tag ziehen wir mehrmals mit dem Taxi los und durchforschen die Supermärkte von Colon. Taxi`s sind hier die einzige Art, von A nach B zu kommen. Die Stadt ist unglaublich verkommen und für Touristen äußerst gefährlich. Ich habe auch noch kein einziges Foto gemacht, weil ich auf den Stadttouren nur mitnehme, was ich am Körper tragen kann. Wir müssen für die nächsten Monate Grundnahrungsmittel bunkern. Im Pazifik sind Geschäfte dünn gesät und die Preise sollen sehr hoch sein. Eine lange Einkaufsliste habe ich geschrieben, die wir mühsam abarbeiten. Wir klappern die "Rey`s" und "99`s" ab nach Milchpulver, Müsli, Nudeln, Reis, Mehl und was sich sonst noch alles möglichst lange hält. Heute fahren wir zum "Freshmarket" und befüllen, nachdem wir über das stinkende Rinnsal in der nicht nur angenehm riechenden Markthalle gelandet sind, unsere Taschen mit Erdäpfel, Kraut, Karotten, grünen Bananen und sonstigen Vitaminen.
Am Nachmittag bekommen wir noch im letzten Augenblick mit Tito`s Hilfe, gegen einen kleinen Unkostenbeitrag versteht sich, unsere Ausklarierungspapiere. Fast hätten wir übersehen, dass nächste Woche Karneval ist. Da sind die Ämter in Panama geschlossen, da wird gefeiert!

Die Vorbereitungen für die Kanaldurchfahrt sind getroffen, die Einkäufe sind verstaut. Am Montag Abend nehmen wir den Panamakanal in Angriff und werden am Dienstag Nachmittag im Pazifik sein. Die Webkamera auf www.pancanal.com bringt Lifeaufnahmen von den Schleusen. Wer Lust hat, kann unsere Passage mitverfolgen (Zeitverschiebung zu MEZ beträgt minus 6 Std.)

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