""Hola", ruft ein Kuna-Indianer von Weitem und rudert mit seinem Ulu auf uns zu. Kokosnüsse hat er anzubieten und Langusten. Ein Segelboot bleibt rund um Ukupseni nicht lange unbemerkt. Es bringt Geschäft und gutes Geld. Wir kaufen zwei Kokosnüsse für einen Dollar, die Langusten lehnen wir dankend ab. Die Männer im nächsten Boot halten eine lebende Schildkröte in Händen. Ich schüttle energisch den Kopf. Also wirklich, nie würden wir eine Schildkröte essen. Anderswo werden sie geschützt und gepflegt, um sie vor dem Aussterben zu bewahren.
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Wieder steuert ein Ulu, diese aus einem einzigen Baumstamm gehauenen Holzboote, auf Felix zu. Zum ersten mal werden uns die berühmten Molas von San Blas angeboten. In mühevoller Arbeit werden diese bunten Tüchlein von den Kuna-Frauen hergestellt. Verwendet werden sie für die traditionelle Tracht der Frauen und zum Verkaufen an Touristen. Ich habe mich vorbereitet und kenne die Qualitätsmerkmale. Wir nehmen einen mit geometrischem Muster. Er ist aus drei Lagen Stoff gearbeitet und mit kleinen Stichen sehr sauber genäht. Zwanzig Dollar will Deleon dafür, mit dreizehn ist er schließlich auch zufrieden. Was braucht ihr sonst noch? Brot, Bananen, Mangos? Habt ihr Müll zu entsorgen? Wir staunen nicht schlecht. Dieser kleine, hagere Mann, dem fast alle Zähne fehlen, kann sogar ein paar Brocken Englisch und hat sich voll auf die Yachties eingestellt. Frisches Brot wäre super und Obst bestellen wir auch.
Deleon schaut bei unseren Bootsnachbarn vorbei und kommt nochmals zurück. Er will drei Dollar im Voraus haben, ist knapp bei Kasse,...und ob wir nicht ein T-Shirt für ihn haben,...und der Weg zurück ins Dorf ist weit, ein Cerveza würde ihn stärken. Ja natürlich, haben wir. "Hasta manana!"
An unserem ersten Nachmittag in San Blas nach einer Überfahrt von 650 Meilen kommen wir kaum zum Verschnaufen, freuen uns aber über jeden Kontakt. Wir verziehen uns bald ins Bett und schlafen, obwohl wir hundemüde sind, beide nicht wirklich gut. So schnell lässt die Anspannung nicht nach.
Ganz aufgeregt kommt unser Kuna-Freund am nächsten Morgen bei uns an. Viel Wind war gestern und hohe Wellen. Er hat mit seinem Boot umgeschmissen, hat alles verloren, das Geld, das T-Shirt und auch das Bier. Köstliches frisches Brot hat er mitgebracht aber sonst nichts. Auch seine Maske und Flossen sind weg. Wie soll er jetzt Fische und Langusten jagen? So ein Pech! Wir finden eine Schnorchelausrüstung für ihn und auch noch ein, zwei Bier zum Trost. Aber Bananen wollen wir schon haben - manana!

Ukupseni, oder Playon Chica auf spanisch, ist mit seinen dreitausend Einwohnern das drittgrößte Dorf von Kuna Yala. Kaum haben wir unser Dingi am Steg vor der Polizeistation festgemacht, sind wir umringt von Kindern. Die Buben zeigen uns, wie sie auf den Händen gehen können und dabei mit den Füßen kämpfen. Bravo! Foto? Sicher mache ich ein Foto. "1 Dollar", kommt es von allen Seiten. Lois zückt einen Schein, eine Hand schnellt vor und schnappt ihn. Er sucht noch einen Dollarschein heraus, die Kinder prügeln sich fast darum. Das kann doch nicht sein, das war ein Fehler von uns. Wir sind entsetzt, wie wichtig Geld für diese Kinder ist.
Sie begleiten uns durch ihr Dorf. Es gibt sogar eine Schule, ein Krankenhaus und auch eine Kirche. Die Menschen leben aber unglaublich einfach. Dicht gedrängt stehen die Hütten mit Bambuswänden, Dächern aus Palmzweigen und einem Fußboden aus festgestampfter Erde. Außer ein paar Hängematten und Plastiksesseln haben sie keine Einrichtung. Vor dem Eingang sitzen die Frauen in ihrer bunten Tracht und nähen an ihren Molas. Gerne lassen sie sich fotografieren und wollen dafür natürlich auch einen Dollar. "Foto - 1 Dollar", ist wohl das wichtigste Wort für die vielen Kinder und alle Bewohner von Ukupseni.
Im großen Haupthaus wird jeden Nachmittag der "Congreso" abgehalten. Jeder hat Zutritt, auch wir. Diese Art von Gemeinderatssitzung sollten wir auch bei uns daheim vorschlagen. Die drei Sahilas, die Präsidenten, haben es sich mitten im Raum in Hängematten gemütlich gemacht. Ihre Anordnungen und weisen Aussagen werden in endlos langen Reden von den Argars interprediert und dem Volk nahe gebracht. Ein Argar, bekleidet mit weißem Hemd, schwarzer Hose und schwarzem Hut, verausgabt sich voll. Drei weitere schlafen tief und fest auf ihren Sesseln und sonst ist außer uns nicht mehr viel Volk anwesend. Wir verstehen kein Wort, aber das Bild ist sehenswert.

Am Sonntag kommt Deleon zu uns aufs Boot. Er ist doch unser Freund und will außerdem wissen, wie wir leben. Einige kühle Cervezas laufen durch seine trockene Kehle, während er angestrengt nachdenkt, was wir noch für ihn haben könnten. Er nimmt unsere Geschenke sehr ungerührt. Sonnenbrille, Schlapfen, ein zweites T-Shirt, ein Seil für seine Hängematte - darf`s sonst noch was sein? Echt begeistert ist er nur, wie ich ihm selbstgebackene Weihnachtskekse bringe. Die sind gut!
Diese Zwei aus Austria essen keine Lobster, Krabben und Schildkröten, ihre Vanillekipferl, Nusskekse und Lebkuchen wird er dafür lange nicht vergessen.

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