Mit leicht flauem Gefühl beobachten wir die Anzeige am Tiefenmesser. Von der Mündung des Kumai Flusses westwärts segeln wir den ganzen Tag in milchig-grünem Wasser, das nur fünf bis zehn Meter tief ist. Wir ankern schon bei Dunkelheit in einer weiten Bucht auf Kalimantan, einzelne Lichter von Fischerbooten um uns, und steuern am nächsten Tag eine kleine Insel an. Pulau Langau ist üppig bewachsen wie ein tropischer Garten, umrahmt von großen, schwarzen Felsbrocken. Von den über 13.000 indonesischen Inseln mit 235 Millionen Einwohnern scheint dieses Eiland eines der wenigen unbewohnten zu sein.

Sehr malerisch, aber das Wasser ist immer noch undurchsichtig trüb und wenig einladend zum Schwimmen. Der Anflug von winzigen Mücken am Abend lässt uns nicht lange auf unserer Privatinsel bleiben. Anker auf am zweiten Tag - Kurs Serutu.

Die kleine Insel ist gut fünfzig Meilen entfernt vom Festland Kalimantan und das Wasser ist endlich wieder bis zu vierzig Meter tief. Nur eine schmale Mondsichel und der Leuchtturm hoch oben am Hügel helfen uns um fünf Uhr früh bei der Ansteuerung. Unserer GPS-Position auf der elektronischen Seekarte vertrauen wir nicht unbedingt. Am Ufer sehen wir einige Lichter und über die Bucht verstreut sind viele, kleine Kanus zu erkennen. Vorsichtig tasten wir uns heran, lassen den Anker fallen und gehen schlafen. Piep, piep, piep - wir sind kaum eingetaucht ins Träumeland, da schreckt uns ein Alarmton wieder auf. Felix hat sich gedreht. Wir haben weniger als drei Meter unter den Kielen und sollten lieber umankern. Inzwischen ist es hell geworden. Höchst überrascht sehen wir die bunten Fischerboote mit ihren spinnenartigen Auslegern, die an den Bojen rund um uns festgemacht haben. Mit den Kanus rudern die Männer an Land und begrüßen uns mit lauten Rufen. "Selamat pagi!" "Guten Morgen, selamat pagi", wünschen wir euch ebenfalls. Sicher seid ihr nach der nächtlichen Arbeit genauso müde wie wir.
Das kleine Fischerdorf Serutu, eine Reihe einfacher Holzhäuser an einem feinen Sandstrand, könnte man aus der Ferne für eine Ferienanlage mit Liegestühlen davor halten. Wir machen unser Dingi an der hohen Mole fest und klettern über windschiefe Stufen hinauf. Die "Liegestühle" entpuppen sich als Matten auf Holzgestellen, auf denen von den Frauen der tägliche Fang zum Trocknen ausgelegt wird. Hauptsächlich Sardinen und einige Kalamare verbreiten einen strengen Geruch im ganzen Dorf. Feinsäuberlich werden die Fische danach in Säcke verpackt und nach Pontianak am Festland verkauft. Uns begrüßt man sehr freundlich und neugierig werden wir begutachtet. Gerne würden wir mit den Leuten über ihren Alltag an diesem abgelegenen Fleckchen plaudern. Aber wie? "Hello Mister", ist ihr ganzer englischer Wortschatz und uns geht es mit ihrer Sprache kaum besser. In meinem Rucksack habe ich einige Sachen mitgebracht, die reißend Absatz finden. Besonders das Täschchen von unserem letzten Flug mit Zahnpasta und Bürste löst bei einem kleinen Mädchen helle Freude aus. Natürlich haben wir nicht genug Zahnbürsten für alle Kinder und auch nicht genug Bleistifte, Sonnenbrillen und T-Shirts. Einige strahlende und viele enttäuschte Gesichter sind wieder einmal das Ergebnis. Das macht mich nachdenklich. In Zukunft werden wir nur noch Tauschhandel betreiben und unsere Schätze nicht mehr einfach verschenken.
Drei Tage bleiben wir in Serutu. Ein Tag gleicht dem anderen. Vor Sonnenuntergang rudern die Männer in den Kanus zu ihren Fischerbooten, werfen die nagelnden Motoren an und fahren aufs Meer hinaus, um aufgereiht am Horizont mit ihren starken Scheinwerfern die Nacht zu erhellen. Die Sonne versinkt mit dem durchdringenden Gesang des Muezzin. Kurz vor Sonnenaufgang kehren die Fischer zurück und bringen die gefüllten Plastiktonnen an Land. Mit einem freundlichen Lächeln verabschieden sich die Männer und winken, als wir heute zu dieser frühen Stunde den Anker lichten.


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