Kalimantan auf Borneo ist unser nächstes Ziel. Die 500 Seemeilen unterbrechen wir durch Stopps auf einer Inselgruppe 80 Seemeilen nördlich von Lombok und einer 170 Meilen Etappe bis Pulau Bawean. Auf der Seekarte studieren wir den Inselhaufen und picken uns einen geschützten Ankerplatz heraus. Ein paar Tage an einem ruhigen Ort ausspannen, schwimmen und schnorcheln wäre nicht schlecht. Auf Saibus sind am Ufer einige Häuser zu sehen. Zwei Männer im Kanu zeigen uns die richtige Stelle zum Ankern. Palmen, Sandstrand, klares Wasser - ganz nett hier... Wir bedanken uns mit Cola und Fanta und bekommen kurz darauf herrliche Trinknüsse geliefert.


Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dingi an Land. Ein junger Mann winkt uns hinter sich her. Auf einer Holzplattform vor seinem Haus bietet er uns Platz an. Sein Vater und einige Kinder gesellen sich dazu. Die Unterhaltung beschränkt sich auf Grüßen, Lächeln und "Wie geht's?" Unsere Kenntnisse in Bahasa Indonesia sind leider sehr dürftig. Eine Frau kommt mit einer Schüssel voll Wäsche vorbei. Mit einer Handbewegung fordert sie uns auf, ihr zu folgen. Über eine Holztreppe betreten wir den ordentlichen, einfachen Wohnraum und setzen uns auf den Boden. Durch die Hintertür kommen neugierige Nachbarinnen und Kinder. Ein cooler, junger Mann spricht ein wenig englisch. Das lernt er sich selbst aus einem Dictionary, meint er stolz. Wir trinken sehr süßen Tee und werden von allen Seiten begutachtet. "Ist das recht, wenn wir noch spazieren gehen?" erkundigen wir uns. "Ja sicher!" Aber keinen Schritt durchs Dorf können wir alleine machen. Irgendjemand läuft ständig vor oder hinter uns her. Bald ziehen wir uns zurück auf unser Heim und stehen weiter unter Beobachtung. Von Zeit zu Zeit bekommen wir Besuch. Ganz selbstverständlich steigen die Herren von ihren Kanus ohne zu fragen auf unser Boot. Mag sein, dass das bei ihnen so üblich ist. Wir bremsen sie aber rechtzeitig und unterhalten uns, soweit überhaupt möglich, lieber über die Reling.

Ganz im Westen der Inselgruppe liegt Pulau Mamburit, ein idyllisches Fleckchen mit hübschen Häusern unter Palmen, umgeben von türkisblauem Meer und weißem Sand. Vorsichtig suchen wir uns mit dem Dingi die Einfahrt durch die Korallen und werden wieder von einem freundlich lächelnden Burschen ins Dof begleitet. Auf glänzenden Fliesen nehmen wir vor einem Haus Platz und sind innerhalb von Sekunden von der gesamten Dorfbevölkerung umringt. Es wird geschrien, gelacht, gefragt - leider verstehen wir fast nichts. Eine besonders laute Dame will meine Sonnenbrille haben und meinen Fotoapparat und meine Trinkflasche und was hast du sonst noch? Moment, Moment, so geht das nicht! Am Boot haben wir einiges, was wir euch geben können. Wir sind gleich wieder zurück. Mit Zeichensprache machen wir ihnnen das klar. Bei unserem letzten Aufenthalt in Österreich habe ich vom Optiker eine Menge Brillen bekommen. Ich packe Lese- und Sonnenbrillen in einen Sack und dazu noch Kappen und Hüte und Haargummis. Mit meinen Geschenken komme ich nicht einmal bis an den Strand. Tausend Hände streiten sich um die schönen Dinge. Nur mit Mühe fische ich ein Stück nach dem anderen heraus und schaue mich um. Ich, ich, ich... von allen Seiten schreien sie auf mich ein. Eine alte Frau hüpft mit einem Jubelschrei davon, als ich ihr eine Lesebrille in die Hand drücke. Ich komme mir vor wie der Weihnachtsmann. Noch einmal lassen wir uns mit der lärmenden Schar vor dem Haus nieder. Holt noch mehr von eurem Boot, ich will auch was! Wir empfinden die aufdringliche Art langsam als anstrengend und unverschämt. Unsere Bitten um frische Früchte wie Mangos und Papayas verhallen ungehört. Nur Bananen bekommen wir - allerdings gegen Bezahlung.


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