An beiden Seiten brechen sich die Wellen am Riff, als wir nach sieben Tagen auf See den Ankerplatz bei Serangan im Süden von Bali ansteuern. Wir sind froh über die genauen Wegpunkte, die uns Ruth vom "Royal Bali Yacht Club" per e-mail gegeben hat. Bald darauf machen wir an einer Mooringboje fest und betrachten skeptisch das dreckige Wasser und den Trubel um uns herum. Hier können wir also wieder nicht schwimmen gehen, stellen wir enttäuscht fest.


Im eher bescheidenen Königlichen Yachtclub werden wir von Ruth und Nathan freundlich begrüßt. Gemeinsam bereiten wir die Papiere vor für den indonesischen Einklarierungsmarathon. Bei Navy, Einreisebehörde, Quarantäne, Zoll und Hafenamt treffen wir auf strenge Herren in Uniform und füllen nochmals unzählige wichtige Formulare aus mit immer den selben Fragen. Ruth ist sehr bemüht um eine lockere Stimmung und versprüht gekonnt ihren Charme. Uns beachten die Herren kaum. "It´s done", bemerkt sie sichtlich erleichtert, als schließlich alle Papiere gegen eine zusätzliche "Bearbeitungsgebühr" mit Stempel und Unterschrift abgesegnet sind. Gerne bezahlen wir Ruth und Nathan für ihre Agentendienste, die ohne Zweifel sehr hilfreich waren.
Jetzt reicht es uns erstmal. Wir sind müde, hungrig und schwindlich. Zurück aufs Boot, schnell etwas essen und ab ins Bett! Nach einer langen, erholsamen Nacht schaut die Welt am nächsten Morgen gleich viel besser aus.

Zu Fuß erkunden wir die nähere Umgebung. Rinder und Ziegen auf Müllhalden, Hindu-Tempel und Gebetsstätten an jeder Ecke und auf den Hauptstraßen ein Gewimmel von Autos und Mopeds, das alles sind wir nicht gewohnt. "Transport? Taxi?" werden wir immer wieder gefragt. Nach vielen Kilometern auf Schusters Rappen nehmen wir das Angebot an und fahren mit dem "Bemo", dem typischen Kleinbus, in den Touristenort Sanur gegenüber unserer Ankerbucht. Elegante Hotels, Restaurants und Souvenirläden erwarten die Bali-Urlauber. Jede Anlage hat einen wunderschönen Pool, denn das Meer ist bei Niederwasser weit, weit weg.

Beim Mittagessen kommen wir zufällig mit einem jungen Mann ins Gespräch. Putu arbeitet für ein Hotel als Fahrer, würde aber gerne sein eigenes Auto haben und "Transport" anbieten. Er nimmt sich kurzentschlossen am nächsten Tag frei, leiht sich einen schicken Wagen und kutschiert uns über die Insel. Stundenlang quälen wir uns durch dichten Verkehr und werden links und rechts von Mopeds überholt, die als universelles Fortbewegungsmittel für die ganze Familie inklusive Gepäck dienen. Die Orte gehen nahtlos ineinander über. Endlich lichten sich die Mauern, Häuserreihen und kleinen Geschäfte und wir können einen Blick auf das üppige, grüne Bali werfen. Noch nie zuvor haben wir Männer und Frauen bei der Arbeit in den Reisfeldern gesehen. Ganz versteht Putu nicht, warum wir einen für ihn alltäglichen Anblick gerne fotografieren möchten. Sein Ziel ist der Tempel "Ulur dana", der sicher ein wichtiges Heiligtum für die großteils hinduistische Bevölkerung von Bali ist, für unseren Geschmack aber zu sehr vermarktet wird. Frömmigkeit und Geschäftssinn scheinen sich nicht auszuschließen.
Mit traumhafter Aussicht auf den Vulkan Batur und den gleichnamigen See machen wir Mittagsrast in einem perfekt organisierten Buffet-Restaurant. Vor der Tür wollen Frauen und Kinder mit herzerweichendem Blick ihre T-Shirts, Sarongs und Fotos verkaufen. Sie ändern schnell ihre Taktik in aufdringlich und aggresiv, wenn wir kein Interesse zeigen, was auf uns nicht sehr sympathisch wirkt.
Nach Sonnenuntergang kommen wir zurück nach Serangan. Von Putu verabschieden wir uns wie von einem guten Freund. Für 500.000,- Rupiah (41,- Euro) hat er uns einen Tag seine Heimat gezeigt und sehr interessante Einblicke in hinduistische Traditionen vermittelt. Abzüglich Benzinkosten und Leihwagengebühr bleibt hoffentlich noch etwas übrig für seinen Traum vom eigenen Transportgeschäft.

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