Lois erhebt sich von seinem Schlaflager. "Geh`dich erst mal waschen und rasieren, damit ich dich herzeigen kann, wenn Besuch kommt." Natürlich sage ich das nur im Scherz. Wir sind allein auf weiter Flur und das seit elf Tagen.

Nach dem Frühstück entdeckt Lois ein AIS-Signal am Kartenplotter. So eine Überraschung! In einer Entfernung von neun Meilen nordöstlich von uns muss ein Schiff sein, das AIS-Daten aussendet. Gespannt suchen wir den Horizont ab und entdecken wirklich einen Frachter. Er kommt schräg von hinten an steuerbord mit zwanzig Knoten auf uns zu. Schnell wird er größer und ist bald in allen Einzelheiten zu erkennen. Mit ungefähr zwei Meilen Entfernung müsste der dicke Brummer bei dem momentanen Kurs an uns vorbeifahren. Kein Problem also. Wir lassen ihn nicht aus den Augen. Plötzlich dreht er nach backbord und zeigt uns seinen Bug. Was soll das denn werden? "Cargo vessel in position 7°40´S 120°50´W, this is sailing vessel Felix." Über Funk versuche ich Kontakt aufzunehmen. Eine freundliche Stimme meldet sich und stellt sich als Frachter "Tampa" vor. Guten Morgen Sir, wollte nur sicher gehen, dass ihr uns seht, erkläre ich dem Herrn. Aber natürlich! Wir waren neugierig, wer ihr seid. Darum sind wir auf euch zugefahren. Wir kommen aus Norwegen und fahren nach Tahiti. Er erkundigt sich nach unserer Nationalität. "Ah, Austria", wiederholt er staunend. Wohin wir fahren, interessiert ihn und ob an Bord alles in Ordnung ist. Die Wetteraussichten sind auch gut, meint er noch, und wünscht uns eine gute Reise. "Vielen Dank und ebenfalls eine gute Fahrt nach Tahiti", verabschiede ich mich nach dem netten Gespräch.
Lois und ich gehen hinaus an Deck und winken. Die Tampa fährt dicht an uns vorbei. Hinter den Scheiben auf der Brücke erkennen wir zwei Männer mit Fernglas. Der tiefe Ton des Signalhorns, den sie uns als Gruß herüberschicken, klingt noch lange in unseren Ohren nach.

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