Ich rufe Papeete Harbour Control auf VHF Kanal 12. Segelboot Felix möchte die Flughafen-Landebahn passieren. Die Erlaubnis wird erteilt. "Thank you and have a nice day!" Nach drei Wochen verlassen wir das laute Papeete auf Tahiti und freuen uns auf entspannende Tage in Moorea. Nur knapp zwanzig Meilen ist die Überfahrt. Der Wind reicht kaum zum Segeln, trotzdem tanzen wir in der hohen Dünung und Kreuzsee meterhoch auf und ab. Das gefällt mir gar nicht. Heute bleibt die Küche kalt.

Ein schwarzer Rücken zeichnet sich in den Wellen ab. "Schau, ich glaub´ da ist ein Wal!" Lois sieht den Riesen zuerst. Gebannt suchen wir die Wasseroberfläche ab. Ein gigantischer Körper schnellt heraus, dreht sich um seine eigene Achse und verschwindet mit einem tosenden Aufschlag. Minutenlang ist der hellblaue Wasserwirbel zu sehen. Uns bleibt der Mund offen. Das war eindeutig ein Buckelwal. So ein Schauspiel haben wir noch nie gesehen. Foto gibt es natürlich keines, die Vorstellung wird nicht wiederholt. Wir werden es aber auch so nicht vergessen.
Bei Regen und leichtem Südwind laufen wir in die Opunohu-Bay im Norden von Moorea ein. Die malerische Kulisse der gebirgigen Vulkaninsel lässt sich nur erahnen. Ich ziehe mir die Kapuze der Segeljacke ins Gesicht und mache den Anker klar. Kopfschüttelnd werden wir von unseren deutschen Segelfreunden begrüßt. "Da habt ihr euch ja ein schönes Wetter ausgesucht!" Dicht belegt ist der Ankerplatz im Osten der Riffeinfahrt. Viele Boote sind uns bereits gut bekannt. Die Karawane zieht gemeinsam Richtung Westen.
Aus dem beliebten Sundowner-Treff am Strand wird heute nichts. Es regnet immer noch und der Südwind nimmt bedenklich zu. Mara´amu nennen die Polynesier Wind aus dieser Richtung. Sturmböen fallen von den Bergkämmen und treiben die Windanzeige hoch bis 50 Knoten. Unheimlich pfeift es ums Boot in der finsteren Nacht.
Unser Anker hat sich tief im Sand eingegraben. Am Kartenplotter kontrollieren wir über GPS unsere Position. Wir bewegen uns nicht von der Stelle, der schwere Bügelanker sitzt fest. Lois beobachtet die Lage rundherum und hält Ankerwache bis tief in die Nacht. Auch auf den anderen Booten wird im Schein der Taschenlampe immer wieder ein Kontrollgang gemacht. Zwei Boote slippen und müssen neu ankern. Sie bemerken es rechtzeitig und richten keinen Schaden an. In den frühen Morgenstunden schläft der mara´amu ein. Es hat empfindlich abgekühlt. Endlich kann sich auch der Käpt`n unter die Bettdecke verkriechen und den wohlverdienten Schlaf nachholen.

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