Bei Ostwind ist an Ankern vor dem Dorf Niutahi im Südwesten des Atolls nicht zu denken. Der Seegang ist beinahe stärker als auf der Überfahrt von Toau. Wir haben noch Kraut, Karotten, Paprika und Äpfel aus Fakarava. Das sind auf den Tuamotus lauter Luxusgüter, die mit Schiffen aus Papeete angeliefert werden. Auf dem kargen Boden der Koralleninseln wachsen fast nur Kokosnüsse. In Apataki fällt der Einkauf also aus, was aber nicht weiter schlimm ist. Brot, Joghurt und Kuchen mache ich regelmäßig selbst an Bord und mit Grundnahrungsmitteln sind wir auch noch gut versorgt. Nur Bananen fürs Frühstücksmüsli sind schon lange ausgegangen.

So motoren wir weiter zur kleinen Insel Rua Vahine im Süden, finden aber auch hier nicht den erhofften ruhigen Ankerplatz. Felix schaukelt in der Nacht so stark, dass ich vorsichtshalber nachschauen gehe, ob in der Küche alle Laden verriegelt sind. "Was ihr nur habt? Wir haben nichts gemerkt", meinen Gabor und Isolde, unsere deutsch-kanadischen Freunde auf Kestrel, die wir seit San Blas immer wieder treffen. "Ist doch ganz flach hier." Entweder haben die beiden so einen tiefen Schlaf oder ihr schweres Stahlboot liegt wirklich stabiler.
An der Ostseite des Atolls empfängt uns endlich friedliches, hellblaues Wasser. "Apataki Carenage, bienvenu", werden wir von einem Mann begrüßt, der mit seinem Boot herauskommt und uns eine Boje anbietet. "No pay", fügt er auf meine zögernde Frage noch hinzu. Wir sind leicht verwirrt. Apataki Carenage? Außer einer Perlfarm und ein paar Häusern ist vom Wasser aus nichts zu erkennen. Laut Cruising Guide lebt hier Mr. Assam, der neben Perlen auch noch Eier und Gemüse anzubieten hat. Es soll in Apataki allerdings eine neue Marina geben. Wir haben sogar ein buntes Prospekt davon und möchten uns die Anlage auch gerne anschauen, da wir Felix während der Zyklonsaison irgendwo sicher unterbringen müssen. Nun stellen wir erstaunt fest, dass wir die gesuchte Marina bereits gefunden haben. Assams Sohn Alfred hat im Vorjahr einen praktischen Slipwagen gekauft und will sein Geld in Zukunft mit den Seglern verdienen. Seine professionell beworbene Carenage ist in Wahrheit aber erst im Entstehen (15°33,5S 146°14,5W).
Wind und Wetter sind im Moment recht launisch. Über Funk rufen wir fast täglich die Grib Files ab und bekommen eine Prognose für sieben Tage. Unsere Aufzeichnungen über Windrichtung und -stärke wandern schon bei der nächsten Abfrage in den Papierkorb. Die Vorhersage ändert sich ständig. Nach zwei wunderbaren Monaten in der Abgeschiedenheit der Tuamotus warten wir auf günstige Bedingungen für die 240 Meilen nach Tahiti. Noch einmal gehe ich schnorcheln im nördlichen Teherepass und gleite mit der Strömung an Korallen und bunten Fischen vorbei. Auch die hautnahe Begegnung mit drei Mantarochen vor wenigen Tagen wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Es zieht uns nicht wirklich in den Trubel der Hauptstadt Papeete. Vielleicht wird es aber eine nette Abwechslung und allerlei Besorgungen sind auch fällig. Für heute, Sonntag, ist Wind aus Nordost mit zehn Knoten angesagt. Kurzentschlossen stoßen wir beim Sundowner mit Gabor und Isolde auf eine gute Überfahrt an und verabschieden uns in der Morgensonne von unserem letzten Atoll.

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