Wann werden wir es endlich lernen? Die schönsten Plätze sind nicht diejenigen, welche im Cruisingguide angepriesen werden und auch selten jene, von denen gute Segelfreunde schwärmen.
Von Mittwoch Abend bis Samstag Vormittag liegen wir im engen, schmutzigen und lauten Ankerplatz von Hiva Oa. Wenigstens haben wir jetzt endlich ohne Probleme einklariert in Französisch Polynesien. Der Gendarmerieposten ist aber nur am Montag, Mittwoch und Freitag vormittag geöffnet. Wir haben auch brav die Sehenswürdigkeiten von Atuona besichtigt. Am Friedhof hoch über dem Ort liegen der Maler Paul Gauguin und der Dichter und Sänger Jacque Brel begraben, die immer noch für den hiesigen Tourismus sehr zugkräftig sind. Nicht ohne Grund geht am Samstag früh ein Kreuzfahrtschiff außerhalb der Bucht vor Anker. Unser Dingianleger und der dreckige Hafenbereich werden mit einem Partyzelt, Teakmöbeln und eleganten Handläufen zum Willkommensbereich umgerüstet. Stattliche Insulaner mit tätowiertem Oberkörper sorgen für den Trommelwirbel und ausgewählte Südseeschönheiten begrüßen die bleichen, korpulenten Gäste mit einem süßen Lächeln und behängen sie mit einem Lei. Wir müssen auch lächeln über die perfekte Show.
Wenige Meilen südwestlich von Hiva Oa liegt Tahuata. Es war die erste Insel, die der spanische Entdecker Alvaro Mendana im Jahre 1595 auf den Marquesas betreten hat. Heute hat das hügelige, grüne Eiland gegenüber Hiva Oa und Nuku Hiva an Bedeutung verloren.
An einem geselligen Abend in Fatu Hiva verraten uns kanadische Segler eine wunderschöne Bucht im Norden von Tahuata. Ein echter Geheimtipp soll das sein, ganz ruhig und ideal zum Schnorcheln und Tauchen. Unser Anker fällt am Samstag Mittag nach einer welligen Überfahrt bei Ostwind mit fünfundzwanzig Knoten. Ganz alleine sind wir hier, zwar geschützt vor den Schaumkronen, aber der seitliche Schwell macht das Leben an Bord zum Balanceakt. Landschaftlich ist die Bucht wirklich reizvoll - Palmen, Sandstrand, schwarze Felsen und sanfte grüne Hügel. Der Wind passt eben nicht. Für einen Tauchgang ist es viel zu unruhig. Wir beschränken uns auf Flossen, Brille und Schnorchel und können in dem aufgewühltem Wasser kaum die bunten Fische erkennen. Lois begegnet einem größeren Meeresbewohner, der ihm etwas Respekt einflößt. Ein ansehnlicher Schwarzspitzenhai zieht vorbei, schenkt ihm jedoch überhaupt keine Beachtung.
Anker auf am Montag Morgen! Bei der Schaukelei werde ich ja vor Anker seekrank. Wir segeln bei immer noch kräftigem Ostwind ganze zweieinhalb Meilen um die nordwestliche Huk der Insel. Hier lacht uns eine wirklich ruhige Bucht an. Einige Segler ankern bereits hier, das stört uns nicht. Das Panorama ist identisch mit der vorigen Bucht, das Wasser jedoch ist glatt und glasklar - endlich!
Bei unserem ersten Tauchgang seit San Blas komme ich mir vor, wie in einem riesigen Aquarium. Zwischen Türmchen und Hügeln aus Hartkorallen tummeln sich winzige, kleine und auch etwas größere Fische in leuchtendem Blau, Zitronengelb oder elegantem Schwarzgrau mit Zeichnungen und Formen in unendlicher Vielfalt. Wer lässt sich das nur alles einfallen? Manche Fischlein kommen neugierig auf mich zu, andere verstecken sich blitzschnell in einer Felsspalte. Bei unserer Rückkehr am Boot sorgt ein Regenguss für die nötige Dusche und hilft uns, die Tauchausrüstung mit Süßwasser zu spülen. Perfektes Service - dankeschön!
In dieser Bucht lässt es sich leben. Wenn nicht die Nonos am Strand wären, diese winzig kleinen Mücken, die sich wie Vampire in jedes Fleckchen Haut verbeißen, das nicht mit Spray geschützt ist, hätten wir in der Hanamoenoa Bay auf Tahuata ein Paradies gefunden. Aber...es gibt auch keinen Apfelbaum hier, und darum werden wir in einigen Tagen weiterziehen zu den Tuamotus.

Part1.jpeg Part2.jpeg Part3.jpeg

klimaneutral gehostet