von Sonja
Endlich habe ich ihn gefunden, den Traummann! Ich habe ja nicht gewusst, dass ich so großflächig suchen muss. Lange schon ist mir sein breiter Gürtel und sein Schwertgehänge aufgefallen, ich konnte mir aber keinen Reim darauf machen. Plötzlich steht er vor mir mit seinen breiten Schultern und den zum Kampf angewinkelten Beinen - der große Jäger Orion.
Tom hat mir geholfen das Sternbild zu finden. Unübersehbar steht er seither in klaren Nächten am südöstlichen Sternenhimmel, wenn ich um 22 Uhr meine Wache beende. Nach meiner Nachtruhe lasse ich um sieben Uhr UTC in der immer noch stockdunklen Neumondnacht meinen Blick über das Himmelszelt gleiten. Orion ist gewandert. Im Nordwesten stößt er mit seinem linken Fuß, dem Rigel, gerade an die Kimm (den Horizont) und verschwindet bald ganz von der Bildfläche.
Tagsüber habe ich eifrig unser Sternenbuch studiert. Zu dieser frühen Stunde ist der große Wagen im Norden deutlich zu sehen. In Verlängerung der Deichsel finde ich Arktur, einen mächtigen Stern im Bootes, der 28 mal größer ist als unsere Sonne. Wow! Von hier verfolge ich die Linie weiter zur Spika in der Jungfrau und erkenne in der Mitte darüber einen Stern, der mit den beiden anderen ein Dreieck bildet. Das ist die Hinterpranke des Löwen. Ich drehe meine Stirnlampe auf und präge mir nochmals dieses Sternbild ein. Etwas Phantasie muss man dabei schon haben. Geblendet vom grellen Licht brauchen meine Augen lange, um auch die schwächeren Sterne wieder wahrzunehmen. Schließlich aber zeigt er sich mir, der König der Tiere, fast genau im Zenit, dem höchsten Punkt am Himmel.
Ich habe mich über der Bank im Cockpit flach hingelegt. Intensiv Sternderlschaun eröffnet eine faszinierende Welt, für die Halswirbel kann es auf Dauer allerdings sehr anstrengend werden.

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